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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
Entstehung
Seite
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Kapitel.)

Das Treiben aus den Gassen.

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Confiscation verbleiben solle". Im zweiten Fall waren zweien crfurterBuchhändlern, Johann Birckner und Andreas Michael, in der Oster-messe. 1623 drei angebliche Famosschriften konfisziert worden; Michaelhatte keine Kaution bis zum Austrag der Sache zu bestellen vermochtund war deshalb in Haft genommen worden. Erst auf Drängen desRats von Leipzig erfolgte am 27. Mai der von Kurfürst Johann Georg I. eigenhändig unterzeichnete Bescheid:Nun befindet sich gleichwohl so viel,daß die dreh Schrifften nicht alle Famos schrifftcn, sondern nur die Er-leuterung wider unsern.Ober Hoffprediger D. Matthien Hoen dergleichen,die andern beide aber Historische Relationen seyen, Jedoch laßen wirbey der beschehenen confiscation bewenden, Undt seindt zufrieden, daßAndres Michel mit einem verweiß, und legen angelobung hinfüro der-gleichen famos schrifften nicht zuführen, wider uf stehen Fuß gestelletwerde". 2! Andreas Michael mußte noch dankbar sein; er kam besserund schneller aus seiner Klemme, als 1557 Nikolaus Brhlinger ausBasel in Frankfurt a. M.

So gestaltete sich das geschäftliche Treiben in den Gewölben. Draußenauf den Gassen aber herrschte ein ebenso reges Leben. Hier hauste undherrschte das schon erwähnte leichte Fußvolk des Buchhandels, die Hau-sierer: Männer Weiber und Knaben. Flugschriften, Neue Zeitungen,Mord- und Wundcrgeschichten, Kalender, Schöne neue Lieder in alt-bekanntem Ton (Melodie) u. dgl. wurden feilgeboten, mit großem Ge-schrei ausgerufen. Sigismuud Feyerabend sagt darüber bei Gelegenheitseines Streites mit den wittenberger Bibelverlegern in seiner letzten Ver-teidigungsschrift vom Jahre 1570 gegen Christoph Walther, den litterari-schen Klopffechter der erstern:wie oben gemeldt, ist sein Schandgetichthie in Franckfurt allein heimlich undergeschoben worden, zu Leipzig aberin offenem Marckt durch alle Gassen von den Jungen als Frehhartcnhin unn wider mit großem Triumph und frolocken, ja mit solchem jubileo(daß sie es auch in henden auffgeworffen) außgeschryen, gegehffert, ge-speht und geplaudert haben, Nemblich: Hie hie neuwe Zeitung vonFeyerabends falschnachgedruckten Biblien."^

Wie sich aber der Hauptumschlag der Bücher im Verkehr der Buch-händler untereinander, wie bereits erwähnt, so gut wie ausschließlich aufdie Messen konzentrierte, so waren auch die sonstigen geschäftlichen Be-ziehungen der Verleger auf den Meßtermin und die Messe zugeschnitten;