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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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Die Buchdrucker ebenfalls auf der Messe.

sAchtes

selbst die Autoren wurden schon in den zwanziger Jahren des 16. Jahr-hunderts oft genug mit ihren kümmerlichen Honorarbeziigen auf die Messevertröstet. 2° Für die bei der Herstellung der Bücher beteiligten Gewerbewar daher die Messe von gleich großer Bedeutung; auch ihre Vertreterströmten zu ihr hin. Waren doch schon in den Anfangszeiten des jungenBücherhandels manche, und selbst namhafte Buchdrucker nach Frankfurt geritten, weniger um die Erzeugnisse ihrer Pressen im einzelnen an dasPublikum und die fremden Buchführer zu verkaufen, als um womöglichganze Auflagen en dloc an den Mann zu bringen, Aufträge und neueBeschäftigung für ihre Pressen zu finden, oder, wie Man sich ausdrückte,Buchführer aufzusuchen, welchesie (die Buchdrucker) verlegten".

Sie kamen auch fernerhin, und nicht nur, um Arbeit für ihre Pressenzu suchen speziell die kleinern Buchdrucker aus den Provinzialortenjetzt auch noch, um zugleich ihr bischeu Verlag an Buchführer zu ver-handeln, ihnen denselbei zum kommissionsweisen Vertrieb zu übergeben,über den erzielten Absatz mit ihnen abzurechnen. Denn fast alle kulti-vierteil zur Beschäftigung ihrer Presse ober ihrer Pressen, falls Aufträgefehlten, wenigstens etwas den Verlag von Schriften von lokalem odervorübergehendem Interesse, vor allem von sogenannten Scholastikalien:Schulbüchern, wie ABC- und Rechenbüchlein, Donat, Katechismus, Evan-gelien und Episteln, Gesangbüchlein u. dgl. Buchführer, welche keineneigenen Verlag besaßen, übernahmen derartige Kleinlitteratur gern inKommission; hatten sie dann doch wenigstens etwas Material zum Stechenin der Hand, wenn sich die Gelegenheit dazu bot, brauchten sie dochzur Genugthuung für ihre Landesherrschaften nicht das bare Geld ausdem Lande zu führen. Als im Jahre 1558 der Konkurs über die Hinter-lassenschaft des Buchführers Wolf Günther in Leipzig ausgebrochen war,meldete sich in der Ostermesse 1559, neben Privatpersonen, welche ihmihren Selbstverlag in Kommission gegeben hatten, auch der BuchdruckerJohann Wölrabe der Jüngere von Bautzen , der eine ganz ansehnlichePartieLonvlastioalig." beyGuntern zuvorkaufsen eingesatzt, welchesLorenz des Gunters knabe wohl wisse".

Diese Arbeit und fällige Zahlung suchenden Buchdrucker zogen aberwieder die Schriftgießer nach sich. Die großen und berühmten Gieße-reien in Basel, Nürnberg, Wittenberg bedurften des Meßbesuchs wohlweniger; sie konnten ruhig der Kunden und Aufträge am Sitze ihrer