Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
Entstehung
Seite
482
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Nachahmungen Vcs Willcrschen Untcrnchmcns.

^Achtes

zeigen, wie schnell sich die Willcrschen Meßkataloge aus einfachen Ver-tricbSmittcln zu wirklichen, auf den selbständigen Verkauf berechneten Vcr-lagsartjkeln entwickelt hatten, zu dem, was der Mcßkatalvg später seinsollte: ein allgemeines Neuigkeitenverzeichnis. Dieser Bestimmung ent-sprach auch die Einrichtung der Kataloge. Im Anfange sind die Titelohne Angabe von Vcrlagsorten und Verlegern aufgeführt, später findetsich die Angabe des Verlagsorts in der Regel, die des Verlegers nurvereinzelt; es war immer noch das Interesse des Sortimcnters, welchesvorwog. Daß nirgends Preise angegeben sind, versteht sich nach demfrüher Angeführten voll selbst.

Das neue Vertriebsmittel muß sofort Anklang gefunden haben; dennWiller setzte dasselbe von seinem ersten Beginn, Herbstmesse 1564, anfast ohne Unterbrechung (nur von den Fastenmessen 1566 und 1567 sindkeine Kataloge bekannt) mit jeder der folgenden frankfurter Vüchcrmessenfort. Nach seinem Tode wurde das Unternehmen durch sciue Sühneund Erben fortgeführt und sind Willersche Meßkatalogc bis zum Jahre1627 nachweisbar.

Ebenso fand das Unternehmen bald genug Nachahmung. Die ersteKonkurrenz erstand Willcr in den von 1577 bis 1616 durch die augö-burger Firma Johann Portenbachs Erben und Tobias Lutz, daun HansGeorg Portenbach und Tobias Lutz, serner nacheinander Hans GeorgPortenbach, Tobias Lutz und Hans Georg Lutz allem herausgegebenenMeßkatalogcn, die ihrem Charakter nach den gleichzeitigen Willcrschendurchaus entsprechen. Inwieweit dies der Fall war mit dem von ChristianEgenolphs Erben in Frankfurt für die Fastenmesse 1594 herausgegebenenKatalog, der keinen Nachfolger fand, muß dahingestellt bleiben. Dagegengilt dies unbedingt von dem Unternehmen von Paul Brachfeld in Frank-furt , der von 1595 bis 1598 Konkurrenzkataloge herausgab. In einerAnspracheAn den Leser" sagt er, er habe, weil bisher nach gehaltenenoder zwischen den Messen viel hohe und anderes Standes Personen ihreLeute vergeblich nach Frankfurt a. M. abgefertigt, weil daselbst von nie-mand von allerlei Materien offene Bnchladen gehalten würden, fürgut angesehen, damit die Studien desto mehr gefördert und solche ver-gebliche Kosten uud Neiseu verhütet würden, einen wohlbestellten Bnch-laden daselbst aufzurichten, in dem man allerlei Materien und Bücherso viel möglich um die Gebühr auch außerhalb der Messen finden könne.