Kapitel.)
Die Wirkungen des Dreißigjährigen Kriegs.
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inatische bibliographische Aufzeichnung seiner litterarischen Produktion auf-weisen, in keinem derselben reichen die Originalquellen so weit zurück,als in Deutschland — ja, in dem anfänglich internationalen Charakterder frankfurter Büchermcssen und in der Aufnahme auch der fremdlän-dischen Litteratur in die Meßkataloge hat selbst letztere, speziell die fran-zösische, die Anfänge ihrer bibliographischen Anualen zu suchen. Kannman die Meßkataloge auch aus verschiedenen Gründen nicht als un-bedingt zuverlässige Quelle für den vollen Umfang der litterarische» Pro-duktiou anerkennen, so entrollt sich doch in einer statistischen und graphi-schen Bearbeitung des in ihnen niedergelegten Materials ein annäherndentsprechendes Bild der Bewegungen des litterarischen Verkehrs und dieserProduktion im allgemeinen und des Ganges und Charakters der wissen-schaftlichen Studien im besondern, ein Bild, wie sich ein solches kaumdurch das geschriebene Wort geben ließe. Dieses sinnliche Bild vorzu-führen bezweckeu die diesem Bande beigegebencn graphischen Tafeln derMehrproduktion in dem Zeitraum von 1564 bis 1765; sie werden amSchlüsse von berufenster Hand ihre Erläuterung finden.
Mit kräftigen uud deutlichen Zügen, mit erschreckender Klarheit prä-gen sich in ihnen und in ihren Zahlen die verhängnisvollen Einflüsseder trüben Zeiten des Dreißigjährigen Kriegs aus, — zeigt sich mit einemBlick, wie auch auf dem Gebiete der litterarischen Produktion die Ent-wickelung in Deutschland zurückgeworfen, um ein volles Jahrhundert auf-gehalten wurde. Der bei dem Beginn des großen Kriegs blühend undkräftig dastehende deutsche Buchhandel wurde halb zu Grunde gerichtet.Mögen die beteiligten Kreise zunächst selber sprechen.
In einem Bittgesuch vom 31. März 1648 um ein kaiserliches Privi-legium sagt Johann David Zunner in Frankfurt a. M: „Bei diesemzerrütteten Zustand des heil. R. Reichs ist bald kein Handelsverkehrrückstelliger worden als eben die Truckereh und das Bücherverlegen."Ganz ähnlich drücken sich die leipziger Buchhändler in einer Eingabevom 9. November 1671 an den Kurfürsten von Sachsen aus; sie be-haupten, daß dem Buchhandel der völlige Untergang drohe, „daß gegendie vorigen Zeiten, da hier in Lcipzigk allein statliche Handlungen undtWohlhabende Lcuthe unter Uns; gewesen, Wir anitzo (aber) so ruiinret,daß nicht allein in Unsern Mittel viel arme Leute seyn, sondern auchingesampt jährlich kaum so viel erwerben können, daß Wir Unß kümmer-