Capitel, j streben nach Privilegien. Der holländische Buchhandel.
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und auch diese nur vorübergehend im Beginn der Verhandlungen, insAuge.
Zu verwundern ist es also nicht, wenn in so gedrückter allgemeinerGeschäftslage sich vielfach ein Streben der Buchhändler nach Sicherungkontnrrenzfrcicr Absatzgebiete durch örtliche Beschränkung der Zahl derGeschäfte zu entwickeln beginnt, ein Streben, welches sich auch unter denBuchdruckern, z. B. in Leipzig , bemerklich macht. Aus der Initiativeder Buchhändler hervorgehend — in seinen Anfängen bis vor den Be-ginn des Dreißigjährigen Kriegs zurückreichend und in ihnen mehrfachmit einem förmlich vertragsmäßigen Versprechen, sich der mehr und mehrgeregelten Censur zu unterwerfen, verknüpft — bahnt es gleichsam dieerst viel später auftretende staatliche Konzessionierung an und mag des-halb hier nur flüchtig angedeutet werden. Haud in Hand damit gingdie Schaffung geschützter Absatzgebiete für die einer größern Verbreitungfähige Kleinlitteratur, wie Schulbücher, Kalender, Gesangbücher u. dgl.,für welche einzelne Buchdrucker und Buchhändler privilegiert wurden, —Begünstigungen, welche zu schweren Unzuträglichkeitcn, speziell im Mcßver-kchr führen mußten. Gleicherweise fand auch die Einführung der Bücher-auktionen zunächst in den Buchhändlerkreisen lebhaften Widerstand, einWiderstand, der jedoch nur betreffs der Abhaltung solcher mit neuenBüchern zur Mcßzeit von Erfolg gekrönt wurde.
Die Bücherauktionen aber waren ein aus Holland überkommenerBrauch. Deutschland hatte seinen Anteil an der Führerschaft in Kunstund Wissenschaft eingebüßt, sie war ganz auf Franzosen, Holländer undEngländer übergegangen. Wie konnte es auch anders sein, da das Kapitalsich scheu aus dem Geschäft zurückzog, wenn der Krieg es nicht schon völligverschlungen hatte! Dagegen war der holländische Buchhandel im Laufedes 17. Jahrhunderts zur tonangebenden und herrschenden Macht fürdie den internationalen Büchermarkt vertretende frankfurter Messe heran-gewachsen. Die Niederlande hatten allerdings in ihrem Kampfe gegendas spanische Joch auch schwere und trübe Zeiten zu durchleben gehabt,aber diese Kämpfe hatten doch nicht in dem Maße verwüstend nud tnltnr-schädigend eingewirkt, wie dies betreffs res Dreißigjährigen Kriegs be-züglich Deutschlands der Fall war. Als diese Prüfnngszeit für Deutsch-land begann, war die Freiheit und Selbständigkeit der vereinigten Pro-vinzen so gut wie gesickert, sie wurden von den Schrecken des iirieqo
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