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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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532 Ausbreitung ketzerischer Ansichten. Leo's X. Bulle von 1515. s.Neuntes

bedeutend, daß Leo X . schon in der sich erst vorbereitenden religiösenReformbeweguug eine Gefahr für die päpstlichen Einnahmen erblickte undein Einschreiten gegen die humanistische und religiöse Litteratur für ein Ge-bot der Selbsterhaltung erachtete. Seine desfallsigc Bulle vom 4. März1515 ist daö Vorbild für alle spätern. Die väterliche Sorge für denwahren Glauben nnd die Sittenrcinheit der Christenheit stehen natürlichim Vordergründe, während die päpstliche Herrschaft und namentlich derpäpstliche Schatz den eigentlichen Schwerpunkt der Censurvcrbote des-selben heiligen Vaters bildeu, dem der sinnliche Genuß der höchste Zweckdes Lebens war.

Weil die Klage Vieler Uns und dem apostolischen Stuhl zu Ohren ge-kommen ist", heißt es dort,daß einige Meister der Druckerkunst in ver-schiedenen Teilen der Welt sowohl aus dem Griechischen, Hebräischen , Arabi-schen und Chaldäischen ins Lateinische übertragen, als auch andere in derlateinischen und Umgangssprache herausgegebene Bücher, welche Irrtümerim Glauben nnd verderbliche, sogar der christlichen Religion feindselige Lehrenenthalten, zu drucken nnd zn verkanfen sich unterstehen, durch deren Lektürenicht allein die Leser uicht erbaut werden, sondern vielmehr sowohl im Glau-ben als im Leben und in den Sitten in die größten Irrtümer verfallen^ worausoft Ärgernis verschiedener Art (wie die Erfahrung, die Lehrerin der Dinge,gezeigt hat) entstanden ist und größeres von Tag zu Tag zu entstehen droht,so haben Wir, damit nicht das, was zur Ehre Gottes und zur Vermehrungdes Glaubens und zur Verbreitung guter Künste als heilsam crfnndcn ist,ins Gegenteil verkehrt werde und dem Heile der Getreuen Christi Schadenbereite, über den Druck der Bücher Aufsicht zu führen geglaubt, damit nichtin Zukunft die Dornen mit dem guten Samen erwachsen oder Gift unterdie Heilmittel gemischt wird."

Wir verordnen demnach und setzen fest, daß fernerhin niemand ein Buchoder irgend eine andere Schrift weder in Unserer Stadt, noch in irgendwelchenandern Staaten oder Diöecscn zu drucken oder drucken zn lassen sich unter-fange, bevor es oder sie nicht in der Stadt (Rom ) durch Unsern Vikar,NaZister Lacri ?a1atii (Büchcrceusvr), in andern Staaten nnd Diöeesenaber durch den Bischof oder einen andern im Bücherdruck erfahrenen undvom Bischof bestellten Mann, oder durch den Iucmisitpr für ketzerische Vcr-derbtheit in dem betreffenden Druckort des Staats oder der Diöcese sorg-fältig geprüft nnd durch ihre eigenhändig, unentgeltlich und ohne Aufschubzu erteilende Unterschrift gebilligt worden ist. Wer aber anders zu handelnsich untersteht, der soll, anßer dem Verlust der gedruckten Bücher nnd ihreröffentlichen Verbrennung, sowie der Bezahlung von einhundert vollwichtigen