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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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Verkehrtes Verhalten der Protestanten.

^Neuntes

Behandlung der Presse eine in den einzelnen Teilen Deutschlands ver-schiedene war, so wurde sie mit dem Eintritt in dessen zweite Hälftevon Tag zu Tag gleichmäßiger, weil die Jesuiten in dieser Zeit ihrenunheilvollen Einzug in Deutschland hielten und, mit kluger VorsichtSchritt vor Schritt vorgehend, ihre sogenannte Gegenreformation, wosie eben konnten, durchsetzten. Der Sieg wurde ihnen im allgemeinennur zu leicht gemacht. Statt wie ein Mann dem gemeinschaftlichen Feindegegenüberzutreten, zerfleischten die Protestanten einander selbst in ihremUnfrieden und Zank, in ihrer Wortklauberei und Mißgunst und das ineinem Augenblick, wo sie der Wolf bereits an der Kehle packte! Schondie Reformatoren verfolgten ihre frühern, weiter gehenden und die Er-neuerung des sittlichen Lebens stürmischer anstrebenden Anhänger. Sosuchte Luther ein Verbot der Karlstadtschen Schriften in Sachsen zu er-langen: derselbe Luther, welcher das Papsttum für noch lange nicht ge-nug zerscholten, zerschrieben, zersungen, zerdichtet und zermalet hielt, riefschon Z525 die Censur für seinen nunmehrigen Standpunkt zur Hilfe.Die Lutheraner haßten die Zwinglianer ärger als die Katholiken, beideaber wüteten gegen die Wiedertäufer und sogenannten Schwarmgeister.Die protestantischen Fürsten ihrerseits liebten und förderten die Censur,weil sie mit ihrer Hilfe die wohlverdienten Anklagen wegen ihres Raubesvon Kirchengut und Beispiele sonstiger Sonderzwecke oder gar Missethatenunterdrücken tonnten. Die Patricier der Städte endlich fanden in derCensur eine mächtige Waffe zur Behauptung ihrer Herrschaft, kurz, dieProtestanten hatten auch auf diesen: Gebiete gar keine Ahnung von derWirkung einer geschlossenen Opposition gegen den Kaiser, ja nicht einmalvon den Folgen eines methodisch durchgeführten passiven Widerstandes.

Während nun im größten Teil von Deutschland der Übergang vomKatholizismus zum Luthertum sich leicht vollzogen hatte, stießen in den-jenigen Landesteilen, in welchen die Fürsten dem alten Bekenntnis treugeblieben, die Einwohner aber zur Reformation übergetreten waren, dieGegensätze mit größter Erbitterung und selbst mit Grausamkeit ausein-ander. Am schroffsten gestaltete sich dies Verhältnis in Österreich undin Bayern , deren Regenten alle Mittel in Bewegung setzten, um ihreabgefallenen Unterthanen zur alleinseligmachenden Kirche zurückzuführen.In den Habsburgischen Erblanden hatte Luther, sofort nach seinem Auf-treten in Worms , begeisterte Anhänger gefunden; noch bis zum Jahre