reformation in seinen Erblanden durchsetzen halfen, vortreffliche Wert-zeuge in seinem Feldzuge gegen die Schmähschriften und Famoölibelle,aus welchen in ihren Augen die ganze protestantische Litteratur bestand.Das nächste Kapitel wird den Beweis dafür liefern, wie klug berech-nend die kaiserliche Politik durch Einsetzung von Büchcrtommissarien dieAxt an die Wurzeln des Buchhandels zu legen wußte. Als Sohn einereifrig katholischen Mutter und später am Hofe seines Vetters Philipp II.von Spanien erzogen, beschränkt und kleinlich, kannte Rudolf nur einZiel, die gründliche Ausrottung des Protestantismus und zugleich derständischen Freiheiten, deren Träger sein lutherisch gewordener Adel war,kurz, die unbedingte Unschädlichmachung und Unterwerfung aller Wider-sacher der katholischen Kirche. Rom und Madrid bestimmten sein poli-tisches Denken, die Jesuiten und ihre Schüler sein politisches Handeln. Dieersten Jahre seiner Regierung waren vollständig von seinen Arbeiten fürdie Gegenreformation in Österreich in Anspruch genommen. Im Jahre1579 ließ er 12000 deutsche und 2000 windische Bücher, meist Bibelnoder solche, die den Grundsätzen des katholischen Glaubens widerstrebten,in Graz durch den Henker verbrennen. Die Versuche zur Herstellungder Kircheneinhcit begleitete überall eine grausante Verfolgung der Presse.In Wien wurde den protestantischen Bnchdrnckern und Buchführern derAufenthalt verboten und eine „Bücher-Jnqnisitionskommission" eingesetzt.
Die Reichsgesetzgebung gegen die Presse hatte also ein volles Jahr-hundert gebraucht, um sich in ihren äußern Umrissen auszubilden, undwurde selbstverständlich zugleich das Vorbild für die Gesetzgebung dereinzelnen Fürsten, Stände und Städte. Es ist überflüssig, die vondeu Territorialregierungen erlassenen Bestimmungen, selbst die der be-deutendsten, hier wörtlich oder auch nur auszugsweise mitzuteilen, dasie in ihrem Wesen so iemlich übereinstimmen und der Reichhaltigkeitdes in den Neichsabschieden gebotenen Materials gegenüber sich höchstensdurch Anordnung nutzloser Grausamkeiten, oder auch umgekehrt durchgrößere Milde, also mit eiuem Worte, nur durch die Stellung vonein-ander unterscheiden, welche die betreffenden Gebiete zu den geistigen Strö-mungen der Zeit einnahmen. Dementsprechend trat die Censur hier nurschüchtern und zögernd, leise ihren Weg tastend, dort herausforderndund brutal ans, aber nirgends blieb sie aus und überall setzte sie sichendgültig fest. Wenn in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts die