Kapitels Eigentümlichkeiten in der österreichischen Preßpolizei. 557
keit und der kirchenpolitischen Stellung dieser letzlern vollzog sich dannjene Handhabung im Einklang mit der Staatsgewalt und unter ihrerthatsächlichen Direktive, oder im direkten Gegensatz zu ihr, ja im förm-lichen Kampfe mit derselben. So zum Teil sogar in Österreich . Nichtohne einen solchen energischen Widerstand vermochte die Jesuitenparteidie Oberhand zu gewinnen und die Preßpolizei an sich zu reißen. Diesteirische Landschaft z. B., überwiegend dem protestantischen Glauben zu-gethan, hatte schon seit 1571 das Recht der Ausübung der Censur fürsich in Anspruch genommen, auf dem Landtage zu Brück 1578 auch for-male Bestimmungen darüber getroffen. In den darüber init der Staats-gewalt entstehenden Differenzen suchte sie nach Möglichkeit ihre Rechtegegenüber der Regierung, welche die Beaufsichtigung der Presse und desDruckergewerbes erklärlicherweise als ein überall anerkanntes landesfürst-liches Regal bezeichnete, zu wahren. Nach hüben und drüben wurde mitVerboten vorgegangen, und die Nachwehen dieses Antagonismus zeigensich noch bei Gelegenheit der Einführung des Gregorianischen Kalenders.Erst die definitive Austreibung der Protestanten aus Steiermark machtediesen eigentümlichen Verhältnissen ein Ende.v In Breslau bewahrtesich der protestantische Magistrat sogar bis weit in das 17. Jahrhunderthinein das Censurrecht. Noch im Jahre 1666 bethätigte er sein Selb-ständigkeitsgefühl, indem er eine als Pasquill charakterisierte SchriftJohann Schefflers (Angelus Silesius ) gegen den leipziger Professor derTheologie Johann Adam Scherzer unterdrückte, und zwar, wie Scherzerrühmend betonte, „ohnerachtet er einen Päpstlichen Herren recoZnosciret". °
Ähnlich wie in Österreich lagen die Dinge in Bayern . Hier wiedort herrschten der Kirche blind ergebene Fürsten, deren Politik Religion,und deren Religion wieder Politik war. Bayern unterschied sich höch-stens dadurch von Österreich , daß seine Herzöge, außer eigensüchtigenHausinteressen, kaum einen politischen Gedanken hatten und bei dem be-schränkten Umfang ihres Gebiets auch nicht zu haben brauchten, währendÖsterreich als Großstaat eine selbständige Politik verfolgte, auch ab undzu mit Rom zerfiel und auf die Dauer nicht hermetisch verschlossen wer-den konnte. Österreich benutzte vielfach die römische Kirche für seineZwecke, Bayern aber ließ sich von der römischen Priesterschaft gehorsamfür deren Interessen ausbeuten. Letzteres war deshalb jahrhundertelang