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Eingriffe in den Geschäftsbetrieb,
INcuntes
falls auch Veranlassung, daß im Jahre 1637 dem Buchdrucker BalthasarKhüene „aus erheblichen Ursachen" nicht gestattet wurde, wöchentliche Zei-tungen drucke» zu lassen.
Selbst in den Geschäftsbetrieb griff die Aufsicht über die Presse ein.So war in? Jahre 1645 eine „v^sutsria" ausgcbrochen. Das Lol-Iiz^iura meckiouni hatte einen Bericht über die Krankheit erstattet undder Rat beschloß uuu, die Stättrechner sollten den Buchdrucker vorfor-deru uud ihn? „anbefehlen", das 1622 in Druck ausgegangene Traktatlein wegen der O^söntsris, wieder aufzulegen und zu drucken und zwarans seine Kosten, weil die LxslQplarig, unzweifelhaft wohl abgehen würden.Sollte er sich dessen weigern, so sollten sie vernehmen, was er dafür be-gehren wollte, und dem Rat Bericht erstatten. Eigentümlich ist auch einBeschluß von 1645. Die von Isaak und Abraham Hosennestel, Handels-leute?? iu Augsbnrg, und Jcreinias Lidel, Bürger zn Nlm, überschicktcudrei Oesignatiouss (Prospekte) eines zn Amsterdam verkäuflichen großenDruckwerks sollen den beiden Buchführern und den? Buchdrucker init derBestimmung zugestellt werden, selbige an ihren Tafeln anzuschlagen undalle Tage öffentlich auszuhängen.
Bon besonderer Ängstlichkeit zeugt eil? Ratsbeschlnß von 1639. AufBericht der Prediger iu? Münster , Nag. Lndwig Pischoff und Nag. JohannMerkhel, soll das von Johann Permeier in Wien dem Rate zugeschickteBüchlein „Begier und Seelenschatz" nicht nachgedruckt, sondern samt demBericht zur Bibliothek geliefert, daselbst verwahrt, auch von den Herrenzum Banpflegamt fleißig Obacht gegeben werden, daß dergleichen schäd-liche Skartcken von den? Buchdrucker uicht augenommeu, nachgedrucktund spargiert werden. Da das Buch von Wien eingeschickt war, wagteman offenbar »veiter nichts, als dasselbe totzuschweigen und wenigstensdadurch dem eigenen protestantischen Bewußtsein genugzuthun.
Eine ganz besondere Stellung nimmt Frankfurt a. M. in der Ent-wickelung der Ecnsurverhältnisse ein. Je mehr seine Messe?? an Beden-tnng gewannen, um so schwieriger wurde es für den Rat, sich der Rekla-mationen und Einflüsse mächtigerer Reichsstände und der Reichsgewaltselbst zi? erwehren; der Rat unterlag ihnen schließlich geradezu, da er vonvornherein nicht genügende Energie entfaltete und unbedachtsam seineHoheitsrechte preisgab. Das zeigt sich schon bei den eingangs diesesKapitels geschilderten Übergriffen des Erchischofs Bcrthold von Mainz .