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Intriguen gegen das Censurrccht des brcslaner Rats.
^Neuntes
Der Kaiser ging hier auffallcndcrweise stillschiv eigen d darüber hinweg, daßBaumann nach der städtischen Censur ausschließlich nur solche Bücheraus dem Gebiete der Theologie drucken durste, welche iu dcu kaiserlichenErblanden streng verpönt waren.
Wenn dies eine Folge der den schlesischcn Ständen noch zustehendenPrivilegien war, so begann doch nun der Kampf der Icsuitcupartei gegendieselben bald auch hier. Nach einem Bericht des königlichen Fiskalsin Oberschlesien , Augustus Frantz, hatten schon vor 1657 die Erben desbreslaucr Buchhändlers Johann Perfert bei den kaiserlichen Behörden,nicht bei dem Rate, die Erlaubnis zur Errichtung einer zweiten Buch-druckerei in Breslau nachgesucht. Als aber uach dem Tode des letztenNachkommens Georg Baumanns, des Buchhändlers Kaspar Klosemann,dessen Witwe eine zweite Ehe mit dem Syndikus der Stadt, Dr. An-dreas von Assig und Siegersdorff, einging, wurde durch genannten Frantz,sicher auf Veranlassung des Rektors des Jesuitcnkollegiums, BalthasarConrad, die Frage angeregt, ob es sich nicht thun lasse, iu Breslau nocheine andere Buchdruckerei aufzurichten, ob Königl. Majestät verbundensei, das bestehende Privilegium zu achten, oder ob sie nicht nach Be-lieben noch eine andere Buchdruckerei in Breslau verstatten könne. DieEensur bei solcher Bnchdruckerci gehöre wohl auch zu den hohen lisZa-lidus. Ein beigelegtes Gutachten des genannten Jesuitenrektors weistdarauf hin, daß es sehr nützlich und notwendig sei, eine Buchdruckereiiu Breslau zu errichten, in welcher vor allem katholische und dann Bücherneutralen Inhalts (wäiKörsutös) gedruckt werden könnten. Denn ob-gleich daselbst schon eine Buchdruckerei bestehe, so maße sich doch der Ratdie Censur an und dulde, unter dem Vorwande der Erhaltung des öffent-lichen Friedens, den Druck katholischer Bücher nicht, wie auch in ganzSchlesien keine leistungsfähige katholische Buchdruckerei existiere, sodaßdie breslauer Katholiken entweder auswärts drucken oder ihre Bücher vonauswärts kommen lassen müßten. Der König brauche sich um so wenigeran das von dem Rate erteilte Privilegium zu stoßen, weil die Breslauer dasselbe durch das Verbot des Drucks katholischer Bücher gemißbrauchthätten. Es wäre daher löblich uud nützlich, in Breslau eine gute katho-lische Buchdruckerei zu errichten, die jedoch der Censur des Jesuiten -kollegiums oder einer andern durch den König zu verordnenden zu unter-werfen wäre. Wcuu nun auch vorläufig das Privilegium der Baumann-