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Willkürliches Bcrfcchrcn in Prcßsnchcn, Nikolaus Brylinacr. ^Neuntes
hatte. Die Leipziger zogen sich aus der Schlinge durch Hinweis auf diedurch den Drang der Meßgescbäfte bedingte Unkenntnis des Inhalts.Um nuu aber Brylingcr beimtommen, was uur auf der frankfurterMesse geschehen konnte, schickte der Kurfürst den Sekretär (spätern Geh.Rat) Georg Craeau nach Frankfurt , „auch aufn Fall an den Rath zuOppenheim , Wormbs und Speier" mit den? Auftrag, zunächst die An-wesenheit Brylingers auszukundschaften und dann sich mit dem frank-furter Bürgermeister Klaus Brunncr in Verbindung zu setzen, um diesenfür das Verlangen des Kurfürsten zu gewinnen, nämlich: Brylinger inHaft zu nehmen und in Cracau's Gegenwart über Verfasser u. s. w. derSchrift zu verhören und zur Verschwiegenheit über seine Aussage anzu-halten. Verweigere Brylingcr die Aussage, so möge man ihn peinlich be-fragen; leugne er aber, so sollten ihm die bekannten leipziger, witten-berger und Magdeburger Buchführer, die von ihm gekauft, vorgestelltund unter Bedrohung mit der peinlichen Frage zum Zeugnis veranlaßtwerden. Zollten nur Brylingers Faktor oder seine Dimer zur Messekommen, so möge gegen sie in gleicher Weise verfahren werden. Der Ratentsprach nur zu gefügig dem Verlangen des Kurfürsten und nahm am8. September den tags zuvor eingetroffenen Brylingcr ins Verhör. Diesergestand den Druck zu, erklärte aber, den Verfasser nicht zu kennen. Nunwurde er auf Kosten und Gefahr des Kurfürsten gefangen gesetzt. In-zwischen war dieser nach Dänemark gereist, und seine Räte wagten in derSache nicht selbständig vorzugehen. So geschah es, daß Brylinger — obgleicher sich erbot, die noch übrigen Vorräte der Schrift auszuliefern und dasOriginalmauuskript herbeizuschaffen, und obgleich cr sich auf die Meßfreiheitberief, auch der frankfurter Rat selbst für ein ordentliches Versahren ein-trat — trotz mehrfacher Jnterventions- nud Vermittcluugsversuche, derenAufzählung hier zu weit führen würde, bis zum 26. November 1557in Haft behalten wurde. Er wurde erst wieder freigelassen, nachdem erUrfehde geschworen und sich verbindlich gemacht hatte, sich auf kursächsi-sches Verlangen jederzeit iuuerhalb eiucs halben Jahres in Frankfurt zustellen. Gegen den durch Einsendung der Briefe und des Manuskriptsermittelten Verfasser, Dr. ^ur. Monner in Jena, wurde uun auf Be-trieb des Kurfürsten in Weimar eine Kriminaluntersuchung eröffnet; dochscheint jeuer vor Beendigung derselben im Januar 1558 gestorben zu sciu.^Im Jahre 1638 fiel gar der Eifersucht zweier Spruchkollegien fast