Kapitel.j Willkürliches Lcchchrm in Preßsacheu. Nikolaus BruliiMr. MI
Ausführung der Verordnungen und gesetzlichen Vorschriften sich -gestaltethat, wie auch in Sachsen oft nur persönliches Belieben, ja selbst klein-liche Eifersucht, Veranlassung zu Verfolgungen in Preßsachen gebotenhaben.
Was zunächst das Verfahren in Fällen des Verbots einer Schriftbetrifft, so ließ selbst Herzog Georg noch öfter in patriarchalischer Weisedie verbotenen. Schriften aufkaufen; später handelte man anders. Mankonfiszierte die beanstandeten Schriften uud darauf folgte danu das preß-gerichtliche Verfahren. Mochte dieses aber ausfallen, wie es wollte, waseinmal konfisziert war, blieb konfisziert, selbst wenn Freisprechung er-folgte uud also kein rechtlicher Grund zur Beschlagnahme vorlag; es istdas schon im achten Kapitel an einem Beispiel aus der Zeit des Dreißig-jährigen Kriegs dargethan worden. Man ging sogar so weit, daß z.B.in der Michaelismesse 1675 fünf aus Halberstadt zur Weiterbeförderungnach Frankfurt geschickte Ballen mit Schriften der pietistischen Richtung,also reines Transitgut, auf Betrieb des Professors Scherzer, des Uni-versitätsdeputierten zur Bücherkommission, in Leipzig angehalten und zufernerer Durchsehung zurückbehalten wurden. Obschon aber Scherzer selbstnur eins der darin enthaltenen Werke einigermaßen bedenklich fand, somußte doch noch nach Jahren der Eigentümer um Rückgabe seiues Eigeu-tums reklamieren und hat es wohl niemals zurückerhalten.^
Zunächst ein Beispiel aus dem 16. Jahrhundert. Auf der frank-furter Fastenmesse 1557 war eine Pseudonyme Schrift- „Bedencken vondem Kriege der Anno sechs-, sieben- vnd vicrtzig Im Lcmdt zu Meißen vnnd Sachsen gefnrth ist, gestelt durch Christian Aleman, mit einer kurtzcnVorrede Christof Cunrads. Gedruckt zu Basel 1557, durch Barth. Sthele",verkauft worden. Kurfürst August, der sich dadurch verletzt fühlte, daßsein Bruder Moritz und die sächsischen Stände in der Schrift heftig an-gegriffen wurden, hatte anfangs einen thüringischen Ursprung vermutet.Da sich dies, wenigstens betreffs des Verlegers, als unbegründet heraus-stellte, wies er den Rat zu Leipzig an, die dortigen Buchhändler, welchedas Pamphlet von Frankfurt her auf die leipziger Ostermesse gebrachthatten, vorzufordern und ernstlich nach ihrer Bezugsquelle zu befragen.Hierdurch wurde der richtige Verleger ermittelt: Nikolaus Brylinger inBasel , der die Schrift durch seinen Schwiegersohn Sthele hatte druckenlassen und ohne seine eigene Firma zur Messe nach Frankfurt gebracht