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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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Kapitel.) Die Haltimq der Konimission im Wechsel der Kriegslciuftc. 641

uungett zu cvnservireu, und dagegen die kaiserlichen Loir>mi8suiio8 vollLxtsvsion ihres sxereitii insxsotioiiiZ desto mehr anzuhalten, aber-mals ein offen Patent wegen der Büchermängcl anschlagen lassen."Letzteres enthielt Nichts als eine Wiederholung der alten Bestimmungen,wonach kein Buch auf die Messe gebracht oder verlauft werden dürfe,welches nicht den Namen des Verfassers, des Druckers und des Ver-lagsortes trüge. Das hier genannte Gritti'scheLvangelium Rstm-inawm" ist übrigens bis gegen Ende des 17. Jahrhunderts das einzigeim katholischen Interesse veröffentlichte Werk, welches in Frankfurt kon^fiszicrt wurde und lediglich durch diesen Umstand bemerkenswert.

Über diesen Borpostengefechten brach endlich der Dreißigjährige Kriegans. Es würde ermüdend sein, die einzelnen Eingriffe in die Freiheitdes buchhändlerischen Verkehrs mit der bisherigen Ausführlichkeit weiterzu erzählen, zumal sie sich im wesentlichen nicht viel von den bereitsangeführten Einzelheiten unterscheiden. Es ist aber unerläßlich, dieneuen Anmaßungen der Bücherkommissarc gegen die politischen Rechteund die Büchermesseu Frankfurts , sowie die Ausdehnung der immerunbeschränkter auftretenden kaiserlichen Machtansprüche genau zu ver-folgen, znmal sie auf einem von der Geschichtschreibung bisher vernach-lässigten Gebiete ucuc charakteristische Beiträge zur Kenntnis der Politikder Hofburg liefern. Sobald die kaiserlichen Waffen siegreich sind, trittdie Kommission ungestümer fordernd und befehlend auf; sobald sie da-gegen unterliegen, hört man kanm etwas von einer Behörde, die ihrenunheilvollen Einfluß täglich mehr ans Kosten der gesetzlichen und freihewlichen Entwickelung Deutschlands ausdehnt.

Wie schon w den dem Kriege vorausgehenden Jahren Mathias dendeutschen Preßverhältnissen eine. stetigere und strengere Aufmerksamkeitzugewandt hatte, so unterwarf auch Ferdinand nach dem Ausbruch desKampfes, und während desselben, den Buchhandel einer viel sorgfältigernund- methodischem Behandlung. Die päpstlichen Legaten und Jesuiteuder Hofburg wußten nur zu gut, welch ein gefährlicher Feind ihnen diePresse war lind welche Macht ein Reichsstand auszuüben vermochte,wenn er seine verfassungsmäßigen Rechte energisch zn behaupten ver-stand. Der frankfurter Rat brauchte sich keinen Eingriff vom Kaisergefallen zu lassen, denn als maZi^raws oräinariu8 entschied er inallen Preßangelegenheiten selbständig und souverän. Man hatte ihm

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