644
Verfolgung der protestantische» und politischen Litteratur.
^Zehntes
griffen in die politischen Rechte des frankfurter Rates. Nebenbei be-nutzten sie auch die vielfach bestrittene Frage der dein Kaiser abzu-liefernden Freiexemplare zur Erweiterung ihrer Macht; sie bot stets einenbequemen Anlaß zur Einmischnng in die buchhändlerischen Interessen.
Die Censurvcrfügungen werden zunächst mit dem bestimmt ausge-sprochenen Zweck erlassen, die Protestanten zu schwächen und zn demü-tigen, den Katholizismus aber zu hebe» und zu stärken. Kaum warder böhmische Ausstand niedergeworfen und Tilly siegreich in der Pfalzvorgedrungen, als am 2. September 1622 ein an sich Unbeanstandetesgrößeres Werk, Joh. Dan. Mhlius' „ktiilosopkig. rstorm-itg.", vomRate konfisziert werden mußte, weil der Verfasser es einem Rebellen,dein Kurfürsten Friedrich von der Pfalz und König von Böhmen , ge-widmet hatte. Am 24. Juni 1626 erging der Befehl an den Rat, aufeinen „höchstargcrlichen intitulirten ^ataloguin etlicher Famosbüchcrnnd Tractätlein, so dem Hauß Österreich et tÜÄtKoliois prejudicirlich,zn in^niriren und sie zu ooniisoiren". Dieser „LatalvAus iibrorumm^stioo-xolitiooruin, c^i ÄuturnnÄ,1i1>u8 AniMois ^ranootoräisn-»ikus g,nni 1626 in luosm xrockisdnnt" (übrigens wohl nur alsSatirc und Fiktion aufzufassen, in Wien aber ernst genommen), enthieltnicht weniger als 46 anstößige Bücher mit fingierten Druckorten undFirmen, wie z. B. -Neapel, bei dcu Erben Franz des Wahren, Madrid ,im Hause der verletzten Gerechtigkeit, Paris , im Zeichen des aufgeblähtenund kahlen Adlers, Löwen, im Hanse der Verleumdung uud im Zeichendes Ochsen im Himmel, Venedig, bei Jnstus im Zeichen des öffentlichenWohles, Wieu, im Hause des österreichischen Lutheraners Martin undim Zeichen der nackten Wahrheit, und endlich Antwerpen beim PädcrastenPrädico, im Zeichen der sodomitischcn Fenersbrnnst. Die Jesuiten ,Spamer und Habsburger sind der ausschließliche Gegenstand des Hassesnnd der Verachtung aller dieser Schriften. Neben den politischen My-sterien des Hauses Österreich mit angeblichen Kommentaren von Emu-panella, staatsrechtlichen Untersuchungen über die Nachfolge Ferdinands,dessen Sohn (der spätere Ferdinand III. ) schon als ^uLti-iaei^iinus regic-rnngSnnfähig sei, und einer Abhandlung über das Haus Habsburg , welchesdadurch' seines Anspruchs auf die Kaiserkrone verlustig gegangen sei, daßes das Reich den Türken tributpflichtig gemacht nnd die Spanier insLand gerufen habe, findet sich ein Werk angekündigt über die Knust des