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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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Jntercession des frankfurter Rates in Wien

fZehmes

allzu hoch spannten, müßten sie mit ihnen auch steigern. Daß gutegroße Bücher schlecht abgingen, läge an der Geldklemme; die Gelehrtentonnten nicht viel teuere Bücher kaufen, viele versähen sich auch, mitBüchern aus alten Bibliotheken, welche man öfters nach der GelehrtenTode von den mit Kindern und Büchern beladenen Witwen um einGeringes haben könne. Auch das sei nicht stichhaltig, daß die großenOpsra liegen blieben, weil die Starteten vagierend hin und wieder ge-tragen wurden. Warum sollte denn der kleine Mann nicht ebenso gutetwas verdienen dürfen, wie der Grossist?

Gegen Einführung einer Taxe werden dann die gewöhnlichen Gründeaufgeführt: ungleiche Natur der Bücher, Verschiedenheit des Honorars,der Papier - und Druckpreisc, der Auflagen, Kosten der Privilegien, ver-schiedene Entfernungen, Zölle und Frachten, Unsicherheit des Absatzes,Höhe der Geschäftsspesen u.s.w., wie solches schon die sächsischen Buchhänd-ler vorgebracht hatten. Die Taxe sei eben unmöglich, unbillig und schwererfindlich und das Ganze gehe darauf hinaus, Wenigen ein Monopolzu schaffen.

Unter dein 6. Juli 16K9 intercedierte denn auch der Rat in derThat bei dem Kaiser zu Gunsteu der Buchdrucker, Buchhändler undKonsorten. Nach der gewöhnlichen Bezugnahme auf die altcu Privilegienund Freiheiten wies er auf die Wichtigkeit des Buchdrucks und Buch-handels und der Buchhändlermcssen für Frankfurt hin; man habe ihnendeshalbgroße sonderbahre gasscn zugcwießen und selbige die Buchgasscugenennet". Irrungen, die während der Messen vorgekommen wären,habe der Rat stets durch einige aus seiner Mitte Deputiertein enge"geschlichtet. Jetzt aber sei einerseits die betreffende Kommission mit Um-gehung seiner, des Rats, Gerechtsame und ohne daß er genauere Kennt-nis davon erhalten habe, eingesetzt worden, andererseits von den meistenBuchhändlern Beschwerde eingelaufen, daß diese Kommission nur voneinigen wenigen Buchhändlern nicht zur Beförderung des öffentlichenWohles, sondern allein ihres Privatvortcils halber ausgewirkt wordensei, einzig zur Erlangung eines allen Rechten und Neichstonstitntionenzuwiderlaufenden Monopols. Es sei zu besorgen, daß solches Gebarenauch bei andern Kaufleuten Nachahmung finden und dadurch der Gangder Messen in weitere Abnahme kommen würde, sodaß die Stadt in Zu-kunft die Rcichsanlagcn uud andere Lasten nicht mehr würde tragen können.