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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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Kapitel.) Fortqang der Vexationen seitens der ordentlichen Bücherkommission. 715

ihre unheilvolle Thätigkeit fortgesetzt und wenige Jahrzehnte danachwaren die frankfurter Michermessen zu Grunde gerichtet.

Am 16. Juli 1661 war ja, wie schon berichtet, Georg Friedrich Sper-ling vom Kaiser zum Adjunkten des bisherigen Bücherkommissars Hörnigkernannt worden, mit der Bestimmung dessen künftiger Nachfolger zu wer-den,weil daselbst eine Zeit her solche Unordnungen und Nachlässigkeitenverspürt worden". Im Jahre 1667 starb Hornigk und damit begann,wie schon früher angedeutet, die schlimmste Zeit für den Buchhandel.Wiederholter Einbruch iu die Gerechtsame des Rats, willkürliche Maß-regelungen der Buchhändler, Herabdrückung der evangelisch-theologischenLitteratur fast bis zur Rechtlosigkeit kennzeichnen das gewaltthätige undmaßlose Vorgehen Sperlings, aus dessen Amtsthätigkeit nur einzelneBeispiele herausgehoben werden können.

Wie rücksichtslos er die Einlieferung der Pflichtexemplare betrieb, istschon weiter oben im Zusammenhange mit der Behandlung der ganzenFrage berichtet worden. Wie vexatorisch das Verfahren dabei von nun abwar, dafür sei nachträglich nur noch als Beispiel angeführt, daß in derHerbstmesse 1685 allerdings schon unter dem Amtsnachfolger Sper-lings der Waesbergsche Bediente aus Amsterdam befragt wurde, ober nichts Neues im Druck habe; vergangene Ostermcsse sei etwas heraus-gekommen, aber nicht in den Katalog gebracht worden. Er erhielt einenscharfen Verweis und wurde ermähnt, von allem, was er in diesemJahre gedruckt und aus dem Meßkataloge ausgelassen, die gehörigenExemplare zu entrichten. Die Holländer ließen ebm schon ihre Büchermeist nicht mehr in den Katalog aufnehmen, um die schuldigen Exem-plare nicht liesern zu müssen, sie,welche doch gemeiniglich die bestenBücher in die Messe bringen".

Fruchtlos war es natürlich auch jetzt, daß sich der Rat infolge der fort-währenden Beschwerden der Buchhändler gelegentlich zu Vorstellungen er-mannte. Schon am 25. Februar 1686 hatte er in seinem Verantwortungs-schreiben an den Kaiser es erging in Veranlassung der ihm gemachtenscharfen Vorwürfe, die den neuen Augriff vom 25. Oktober 1685 auf seineHoheitsrechte bezüglich der Herausgabe und Censur des Meßkatalogesund der Gerichtsbarkeit in Preßsachen begründen sollten besorglichund warnend darauf hingewiesen, daß wenn von seiten der Bücherkom-mission in dieser und anderer Beziehungso strivte verfahren werden