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wenn sie selbst Reichs- oder Wiener Buchhändler wären!" rief ein nord-deutscher Buchhändler im Jahre 1801 aus/° Und wurden nicht inder That die Ansichten der reichsbuchhändtcrischen Nachdrnckcr auch in Nord-dcutschlcmd laut? In Berlin z. B. bestand damals eine starke Eifersuchtgegen Leipzig , und zwei Berliner Schriften vom Jahre 1781^ betontenmit Entschiedenheit, daß zum Nachdruck nichtprenßischcn Verlags jederpreußische Verleger berechtigt sei; es ist nicht abzusehen, hieß es, „woher dieStadt Leipzig und andere Buchhändler die Anmaßung erlangt haben, daßsie allein die besten Bücher von ganz Deutschland verlegen, und mit demAusfluß des Geldes dafür, andere Staaten entkräften können. Diesesdurch den Nachdruck zu verhindern, ist eine Sache, die in der Vernunftund Billigkeit gegründet ist". Interessen waren es, die sich gegenüber-standen und bekämpften. Ging darans nicht hervor, daß die letzte Ent-scheidung überhaupt nicht bei den interessierten Parteien, den Buch-händlern und Autoren, liegen, sondern nur bei einem Forum gesuchtwerden konnte, dem sich alle widerstreitenden Interessen wohl oder übelbeugen müssen: dem Staate? Nun, die Bckämpfcr des Nachdruckszeigten, daß der Nachdruck schon in den vorhandenen allgemeinen Gesetzen,besonders des römischen Rechts, so deutlich verboten sei, daß es sogareigentlich eines ausdrücklichen staatlichen Nachdruckvcrbots gar nicht erstbedürfe. Man that es um so angelegentlicher, als die Gegenpartei, aufihre leitenden Grundsätze gestützt, nachwies, daß der Nachdruck rechtlichjedenfalls auf keinen Fall strafbar sei^, und auch norddeutsche Buch-händler erklärten, der Buchhandel sei der einzige Handelszweig, der nachden gemeinen juristischen Regeln nicht behandelt werden könne/° Eswar ein Zustand, der den davon betroffenen Verleger schon zur Wutder Verzweiflung treiben konnte. Ein Beruf, der „keine Ansprüche aufobrigkeitliche Hülfe" hatte! War es nicht, als wenn bloß der Buch-händler „nicht mit zu der großen Gesellschaft der Menschen gehörte"?Er möchte jeden „Handhaber der Gerechtigkeit" fragen, schließt Reichdiese Ausbrüche der Verzweiflung aus den letzten Tagen seines Lebens,das ein einziger vergeblicher Kampf gegen den Nachdruck gewesen war,ob er nicht glaube, daß ein Mensch vor dem großen Richter der Welt ent-schuldigt werden würde, der sich aus Mangel an Hilfe und Schutz aufErden zur Selbstwchr verleiten ließe und dem Bösewicht, der ihm amhellen Tage die Kleider vom Leibe ranbc, eine Kugel durch den Kopf