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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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2. Kapitel: Sturm und Draug: der Nachdruck.

Konnten doch die Nachdruckcr darauf hinweisen als auf den besten Be-weis für die Wohlthätigkcit ihres Wirkens; und das Publikum wurdedadurch zuweilen so arg verstimmt, daß, als die bei Voß und Deckerzum Originalpreise von 27 Gulden erschienenen Werke Friedrichs desGroßen dann des angekündigten Tübinger Flachdrucks halber bei Waplcrin Stuttgart zu 12 Gulden gegeben wurden, von den bisherigen Käuferndarüber diskutiert wurde, ob man nicht die Verleger deshalb wegenBetrugs zur Verantwortung ziehen könne. Reich wurde von dem vielangewandten Mittel von einen? so kundigen Manne wie Schwan inMannheim , abgeraten; das ErlangcrNeue Archiv für Buchhändler"rief den Verlegern zu, daß sie mit ihren öffentlichen Anzeigen wegenNachdrucks herabgesetzter Preise nur das Publikum auf die Nachdruckeerst aufmerksam machten und dem dankbaren Nachdruckcr die Müheeigener Bekanntmachung ersparten."° Vorteilhaft war es jedenfalls,wenn die Preisherabsetzung Hand in Hand gehen konnte mit der Ver-anstaltung einer verbesserten Auflage. Das wieder stand in naherVerbindung mit dem vorbeugenden Mittel kleiner Auflagen; mußte dochauch hier der Rest der Auflage zum halben Preis verkauft oder ver-steigert oder gar zum Makulaturprcis der allerdings damals vielhöher war als heute losgeschlagen werden. Solche Auflagcnwechsel^waren so häufig, daß dasNeue Archiv" ausführlich darüber Klageführte und verlangte, daß der Verleger den Sortimentern alle Exemplareder vorigen Auflage abzurechnen habe, während umgekehrt verschiedeneAutoren sich zu dem ausdrücklichen öffentlichen Versprechen gemüßigtsahen, ihre Werke innerhalb einer gewissen Frist nicht zu verändern.'^Auch Subskription und Pränumeration schon wurden zu den vom re-gulären Geschäftsbetriebe selbst an die Hand gegebenen Verteidigungs-mitteln gerechnet ^; wir erwähnen ferner die stückweise Herausgabc, umdann, wie z. B. Göschen mit dem Don Carlos und dem Geisterseher that,wenn das Ganze fast vollendet war, zum Ärger der Schritt für Schritt nach-druckenden Verleger plötzlich mit einer vollständigen vom Autor revidiertenAusgabe zu erscheinen, sowie die Vcrlagsassoziation des norddeutschen miteinem Wiener (die aber bald nur noch dann schützte, wenn das Werk inÖsterreich gedruckt wurde) oder z. B. einem Schweizer Verleger. Nebender Anwendung all dieser Mittel her ging die so vielfach versuchte un-mittelbare Beeinflussung des Nachdruckcrs und des Publikums, die von