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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Rcichsbuchhändlcr-Handlungsart und Leipziger Handel. 191

Leipziger Messe ein Gebrauch mehr 'aufzukommen, der in einzelnenFällen schon seit langer Zeit geübt worden war, einMitteldingzwischen Tausch- und Bezahlungshandel", das darin bestand, Gegen-artikel, an deren Absatz man Zweifel hegte, nur unter der Bedingungzu nehmen, die nicht abgesetzten Exemplare zurücksenden oder genauer,da ein Ausgleich der Rechnung nur im Wege des Tausches möglichwar, an ihrer Stelle ebenso versuchsweise andere Artikel desselben Buch-händlers nehmen zu dürfen.^ So schilderte man in Süddeutschlandunmittelbar nach Reichs Tode die Entstehung diesesMitteldinges zwischenTausch- und Bezahlungshandel". Das Recht der Zurücksendung alleinrechtfertigt eine solche Bezeichnung noch nicht. Es kam hinzu, daß imReichsbuchhandel neben der daneben fortdauernden Unbestimmtheit desTermins einer endlichen Vorsaldierung ebenfalls eine nach der Zurück-sendung der nichtabgesetzten Exemplare erfolgende Barzahlung des Saldosimmer üblicher geworden war; so üblich, daß sie zu den Merkmalen desreichsbuchhändlerischen Geschäftsverkehrs gehörte. Man nannte diesenBerkehr der Reichsbuchhändler unter sich dieReichsbuchhändler-Hand-lungsart". Ihre Eigentümlichkeiten bestanden darin, daß die Reichsbuch-händler sich ihre Neuigkeiten mit dem Rechte der Zurücksendung desNichtabgesetzten zusandten, und daß sie miteinander von ihren Wohn-sitzen aus abrechneten. Denjenigen Geschäftsverkehr, welcher diese beidenMerkmale nicht zeigte, nannte man im Unterschiede dazu dieLeipzigerHandlungsart". Beide Handlungsarten kamen darin überein, daß derSaldo bar gezahlt wurde.Die Reichsbuchhändler rechnen unter sich,wie man zu sagen pflegt, von Hause aus, das heißt: sie schicken sicheinander ihre neugedruckten Bücher gewißermaßen in Commission zu;was sie nicht absetzen, oder auf dem Lager nicht behalten wollen, sendensie vor der Abrechnung zurück und zahlen dann den Saldo wie in Leipzig ";so beschreibt ein süddeutscher Buchhändler im Jahre 1790 die Reichs-buchhändler-Handlungsart." Den Leipziger Handel schildert er wie folgt:In Leipzig kommen jährlich die vorzüglichsten, mit deutschen Büchern han-delnde Buchhändler zusammen, bieten einander ihre verlegten Bücher an,nehmen so viel davon, als sie in ihren Gegenden zu verkaufen hoffen, vonjedem Buche doch wenigstens ein und zwei Exemplare; sie schließen die alteRechnung ab, das heißt, zahlen sich nach Abzug 33 xr. lüt. Rabat denSaldo baar heraus."" Vergessen wir über der Übereinstimmung der Bar-