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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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192 4. Kapitel: Der Durchbruch der neuzeitlichen Organisation,

Zahlung des Saldos den Unterschied nicht, der trotzdem auch hier besteht,und der die Leipziger Handlungsart als Barhandel, die Reichsbuchhändler-Handlungsart aber nur als einMittelding" zwischen Tausch- und Bar-handel zu bezeichnen gestattete. Die Reichsbuchhändlcr waren der Massenach Berleger-Sortimenter; die Hauptrechnung hob sich durch den gegen-seitigen Büchcrbezug, bestand also in Tausch, und nur die Differenz wurdebar gezahlt. Nicht einmal das war schon durchgehends der Fall, sondernauch der volle Tauschhandel war mit der Rücksendung des Nichtabgesetztcnverbunden; noch in der Mitte der neunziger Jahre konnte man denUnterschied zwischen Leipziger und Reichsbuchhaudel so angeben, daß dercrstere das, was nicht durch Gegcnrechnung getilgt werde, durch baresGeld, der letztere aber durch Bücher vergüte.^ Unter den Buch-händlern der Leipziger Handlungsart dagegen mehrten sich die Netto-händler, denen gegenüber auch abgesehen von der Art der Begleichungdes Saldos ein Bücheraustausch überhaupt gauz wegfiel. Allein wirhaben schon erwähnt, daß damit kein grundsätzlicher Unterschied gesetztist. Ein Buchhändler konnte von zwanzig seiner neuen Artikel neunzehnin Change und nur einen contant geben, er konnte achtzehn in Changeund zwei als Contantartikel geben, er konnte zehn, er konnte schließlichalle zwanzig Artikel nur contant geben; der Changegegenwert vermindertesich so und nahm schließlich die Größe Null an, der Saldo des Kon-trahenten stieg und war schließlich einseitige Zahlung. Die eben ange-gebene süddeutsche Gegenüberstellung der beiden Handlungsarten selbstverwischt diesen Unterschied völlig. Als eigentümliche Merkmale derReichsbuchhändlcrart bleiben so: das Fehlen der persönlichen Zusammen-kunft und Abrechnung und das Recht der Zurücksendung.

Wir haben damit Wesen und Entstehung der Reichsbuchhändler-Handlungsart im engsten Anschluß an die Aussagen des zeitgenössischenBuchhandels selbst gezeichnet. Die Entstehung betreffend sind aber dieseAussagen ungenügend und schief. Wir müssen diesen Umstand selbst alsgeschichtliches Material bewerten. Wenn eine Zeit über die Anfänge ihrerGebräuche nicht klar ist und sie in pragmatischer Weise wie hier dar-stellt, so zeigt das, wie sehr eingebürgert diese Gebräuche zu dieser Zeit,hier am Ausgange des Reichschen Zeitalters, bereits waren. Die obigeDarstellung bindet die Entstehung des Rechts der Zurücksendung an denpersönlichen Verkehr der Buchhändler auf der Frankfurter Messe . Das