Konditionsscndung unverlangter Neuigkeiten.
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Gegenteil ist richtig. Jene Darstellung drückte den in Frage stehendenGebrauch mit den Worten aus: „gewißermaßen in Commission". Siekennt außerdem noch eine viel exaktere Bezeichnung. Die Reichsbuch-händler, sagt sie, senden „mit Condition des Remittirens pro Novitate".'«Die Ausdrücke „in Commission" und „xio Novitate" bezeichnen diebeiden wirklichen Wege, auf welchen sich die Sendung „mit Conditiondes Remittirens" zuerst entwickelt hatte."
In unserer Periode war die Sendung pro novitaw, die Sendungvon Novitäten a eomWon, welche Bezeichnung zuerst in einem Briefevon Schwan in Mannheim an Reich vom 25. Februar 1779 begegnet,über ganz Deutschland stark verbreitet, innerhalb Norddcutschlands, inner-halb Süddeutschlands , vom Norden nach dem Süden und umgekehrt.^Und jener Anfangszustand, in dem die Versendung pro novitate eineVertriebssorm für besonders aktuelle Schriftchen war^, ist, wenn viel-leicht schon zu Anfang des 18. Jahrhunderts bis jzu gewissem Grade,so jedenfalls jetzt längst überwunden. Neben die absolut unverlangte istdie generell verlangte Novitätensendung getreten, und das erst bezeichnetsie als festgewurzelten buchhändlerischen Geschäftsgcbrauch. Ein Circularvon Friedrich Hcckel in Dresden vom 2. Januar 1740 bittet sich von„allen künfftigen zum Vorschein kommenden Büchern, nach Beschaffenheitdes Inhalts, einige Exemplaria" aus'^", und ähnliche Circulare nord-und süddeutscher Firmen liegen seitdem vielfach vor." Der Gebrauch warso stark in Aufnahme, daß man sich damals schon dagegen verwahrte.^Wir erfahren auch, welches der Grund dazu war. Zur Michaelismesse1771 erklärte eine Züricher Firma, sie würde nicht nur von unverlangtGesandtem nichts behalten, sondern vielmehr die Auslagen für unnötigesPorto und Fracht zurückfordern, so wie es bei allen Handlungsverwandtender Brauch sei. Übrigens erklärte die Handlung, auch ihrerseits keinerleiNeuigkeiten ohne Auftrag zu senden.^ Es war besonders die Michaelis-messe, an der es sich deutlich zeigte, daß in der Novitätensendung mitRemissionsrecht schon damals thatsächlich der Gebrauch vorhanden war,der den persönlichen Meßbesuch zum Zwecke des buchhändlerischen Absatzesresp. der Assortierung in Norddeutschland ersetzte. Die Michaelismessewurde seit langer Zeit weniger besucht als die Ostermesse.^ Sehr natür-lich, daß deshalb an die Stelle der persönlichen Anwesenheit die Novitäten-sendung trat. Der diesbezügliche Unterschied zwischen den beiden Messen
Geschichte des Deutschen Buchhandels. IH, 13