190 4. Kapitel: Der Durchbruch der neuzeitlichen Organisation.
räsonnirtcn über das oder jene neue Buch, das ihnen zur Messe gebrachtworden war"; und hatte ein unbescholtener, ehrlicher Mann eine Hand-lung neu gegründet, „so wurde gleich resolvirt, dasjenige neue Buch,das derselbe zur Messe brachte, gleichsam unter sich zu vertheilen, unddem auf einmal zu einem Sortiment zu verhelfen.""' Solche Herzens-ausbrüchc zeigen, wie die alte Zeit, die seit den dreißiger Jahrenendgültig beginnen mußte zu weichen, die alte Zeit einer noch verhältnis-mäßig gleichartigen Verlagsproduktion, in der man sich die Bücher gleich-sam unbesehen einander abnahm, den in der immer sichtbarer herauf-ziehenden neuern Zeit lebenden Buchhändlern alter Schule nun traulich,huschelig, brüderlich erschien gegen die neue Zeit des „Neides" und der„Mißgunst". Und sie zeigen deutlich, wie es eben die bequeme Bücher-macherei war, wegen deren der norddeutsche Handel vor dem Tauschhandelzurückwich, und die seine Anhänger an ihm schätzten und in dem neuenbuchhändlerischcn Verkehre vermißten. Die Gegner des Tauschhandelssagten, daß bei der immer steigenden Flut der neuen Bücher eine strengereAuswahl nötiger und deshalb der alte Tauschhandel immer unmöglicherwerde; seine Anhänger sagten, daß ebendeshalb eine um so nachdrück-lichere Unterstützung des Buchhändlers und darum eine nur um so stärkerePflege des Tauschhandels nötig sei."
Allein der alte Tauschhandel war, als das Zeitalter Reichs zuEnde ging, im Reiche längst nicht mehr die herrschende buchhändlerischeVerkehrsform. Dieser Buchhandelskreis entbehrte ja gerade dessen, wasdie Seele des alten Tauschhandels ausmachte: der persönlichen Meß-zusammenkunft. Die Reichsbuchhändler untereinander sandten sich des-halb ihre Tauschartikel von Hause aus zu; 'und das führte zu einembuchhändlerischcn Verkehr, dessen Form schon alt, dessen allgemeinerGebrauch aber neu war.
Der alte Tauschhandel wurde im Süden ebenso hart verurteiltwie im Norden. In jenem alten Handel strikter Observanz nahmjeder der beiden Tauschenden die Exemplare des andern fest, und derAustausch wurde nur durch Bücher bewirkt, so daß die Rechnung imPrinzip unendlich war. Das Mißverhältnis, das sich dabei für dengrößern Buchhändler herausstellte, war vom Buchhandel schon aus deralten Frankfurter Messe empfunden worden. Da begann — so erzählenuns die Zeitgenossen — zuerst auf der Frankfurter , dann auch aus der