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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Zunahme der Zahlungsrechnung. Festhalten am Tauschhandel im Süden. 189

Den erstern ließen sie durch den Kommissionär ausliefern, den letzternsandten sie von Hause; und zwar ganz offen und grundsätzlich; die ver-schiedene Bchandlungsweise wurde den einzelnen Handlungen durch ge-druckte Briefe unmittelbar mitgeteilt. Man wollte also seinen Verlagnur an Zahlungshändler geben und erschwerte den andern den Bezug.Zweitens fehlten oft gerade die Bücher, die man eintauschen wollte, unddas, was vorhanden war, wurde, um höhere Gegenchange zu erhalten,als Nettoartikel, d. h. mit Viertelrabatt augesetzt. Drittens ließen sichviele die Changerechnung gefallen, so lange sie schuldig blieben; sobaldihnen aber auch nur einige Thaler geschuldet wurden, verlangten siesofort Zahlung. So hatte denn Kummer in einem Zeiträume vonvierzehn Jahren gefunden, daß bei der Tauschrcchnung er der leidendeTeil war. Er wußte, mit welchen Gefühlen ein Schritt, wie er ihn jetztthat, in den Kreisen des alten Buchhandels aufgenommen wurde; deshalbsein langes Zögern, die umständliche Begründung und die Erklärung:sein Entschluß sei unabänderlich. Und doch kann er den Tauschhandelnicht ganz aufgeben. Er erklärt am Schluß, daß er mit denjenigen,denen Zahlungsrcchnung nicht anstehe, Tauschhandel fortsetzen werde,aber reinen und wirklichen Tauschhandel von Hand zu Hand und Augein Auge. - der Saldo soll sofort bezahlt werden, und dann sollen dieGeschäfte, ohne daß irgend eine Neuigkeit, Fortsetzung u. f. w. auf Tausch-rechnung verschrieben wird, bis zur nächsten Messe ruhen. Kummerschränkte also die Lieferung von Hause zur Nichtlieferung überhauptund den in der orthodoxen Changcübung zuletzt unendlichen Kredit aufdie Verweigerung des Kredits überhaupt ciu. Ein solcher Handel hattedenn freilich mit dem üblichen Tauschhandel nichts als den Namengemein. 2

So sehr der Norden seinen Tauschverkehr immer mehr zu be-schränken suchte, so sehr hielt der Süden an ihm fest. In der Nummereiner süddeutschen Buchhändlerzcitung der neunziger Jahre wirft einBuchhändler sehnsüchtige Blicke zurück auf die Zeit, da der Tauschverkehrnoch uneingeschränkt herrschte. Er blickt sehr weit zurück; in den dreißigerJahren, da war noch die wirkliche gute, alte Zeit, die man wieder auf-leben lassen muß. Im Stile des alten Hildebrandsliedes heißt es:Das hat mir mein seel. Vater und noch mehr alte Herren Collegengesagt: da kamen die Herren in Leipzig am dritten Ort zusammen,