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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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188 4. Kapitel: Ter Durchbruch der neuzeitlichen Organisation,

guten Teil Tausch- und Zahluugsrcchnung zugleich führend Der Buch-händler tauscht oder kauft in dieser koordinierenden Allgemeinheitdrücken sich die Schriften dieser Zeit gewöhnlich aus.^ Der Tauschhandelaber blieb während des ganzen Reichschen Zeitalters und noch darüberhinaus die herrschende buchhändlcrische Verkehrsform; nicht nur Pütter,sowohl imBüchernachdruck" (1777)^ als in denBeiträgen zum Teut-scheu Staats- und Fürstenrecht" (1777)^ und Reiche in denFundations-gesetzen" (1781), sondern auch I. G. Müller imVerlagsraub" (1792)geben ihn als die herrschende Geschäftsform an. Im nördlichen Deutsch-land waren die größern und großen Buchhandlungen in der Verurteilungdes Tauschhandels einig, wir wissen ja warum: der Verleger, der dieschlechtesten Bücher hat, ist dabei am besten dran, sagt der Leipziger Magister in NicolaisSebaldus Nothanker"°, und auch die Schriftstellerbrachten die nachteiligen Wirkungen des Tauschhandels zum Ausdruck.Ehlers gibt (1784) drei solcher Wirkungen an: der Buchhändler bestrebtsich erstens nicht ängstlich, wirklich gute Verlagsschriftcn, sondern sorgtsich nur darum, möglichst billig irgend ein Manuskript zu bekommen, erkann zweitens ohne großes Wagnis keine guten Honorare bieten, und alsdrittes fügt Ehlers noch hinzu, daß er deshalb die Kritik, und leider mitErfolg zu beeinflussen suche/ Für den Buchhändler war natürlich dergeschäftliche Gesichtspunkt der entscheidende, und immer widcrwilligcr trugendeshalb diejenigen, welche über den grundsätzlichen Anhängern des Tausch-handels, aber unter Reich und seines Gleichen standen, das Joch derChange.Glauben Sie es mir", schrieb im Jahre 1782 Frommann,bei der jetzigen großen Menge von Neuigkeiten ist es traurig, wennich mich ins Chaugircu einlassen muß; und das muß ich doch. Es istinir nicht so lieb, wenn ich auf diese Art 1200 Stück zu 21 Gr. ver-brauche, als wenn ich 1000 um 12 Gr. baar verlausen kann."^ Am1. März 1789 zeigte der Leipziger Buchhändler Paul Gotthelf Kummer dem Buchhandel an, daß er in der kommenden Jubilatcmcssc alle Change-rechnungen abschließen unddurchaus Zahlungsrechnung" ansangen werde.Er fügte hinzu, daß er damit keineswegs die Absicht verbinde, sich bloßauf Verlag zu beschränken, er werde vielmehr mit Sortiment wie bisherwcitcrhandcln. Kummer gibt drei Gründe an, die ihn endlich zuseinem Entschlüsse gebracht hätten. Erstens wurden die Zahlungshand-lungen den Tauschhandlungen gegenüber von den Verlegern bevorzugt.