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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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Der Reichsbuchhandel über die Verderblichkcit des Leipziger Handels. 207

vom Tauschhandel losmachten und auf ihren Verlag einschränkten. SoBensen; der süddeutsche Buchhändler von Beruf stellt den Übergang derLeipziger von der Barzahlung des Tauschsaldos zur reinen Zahlungs-rechnung etwas unfreundlicher und etwas intimer dar. Wie brachtendie Leipziger Nettohändler es fertig, die kleinen Buchhändler nach undnach daran zu gewöhnen, daß sie ihnen überhaupt keine Bücher mehr inZahlung geben sollten? MitÜberlistung und Höflichkeit", dieniemandals die Herren Leipziger so leicht hätte benutzen können". Höflich abertückisch! Die meisten auswärtigen Meßbcsucher waren in Leipzig fremd, suchten also die Leipziger Herren zu Hause auf,weil sie immerda zu finden waren, wo hingegen andere herumlaufen". DieHerrenResidenten" empfangen den Fremdenmit Höflichkeit". Man schließtdie alte Rechnung ab; natürlich ist sie zu Gunsten des Herrn Residenten;der Saldo wird in Geld bezahlt; der Herr Residentschiebt sein Geldein". Nun legt er seine neuen Bücher vor. Der Fremde ist desGlaubens, daß in üblicher Weise getauscht werden soll. Dabei suchteder vorsichtige Mann zuerst vom Andern zu schreiben, um so gewiß zuzu sein, was er in der Change von ihm gewinnen konnte; der andremußte ja dann wohl oder übel Verlagsbücher dessen, der zuerst ge-schrieben hatte, in Gcgenchange nehmen. Das benutzten die Leipziger .Und baten die fremden Gäste, und drangen ihnen als Fremden dieEhre auf, zuerst in neue Rechnung zu schreiben, was sie von den altenund neuen Büchern wieder haben wollten." Man nahm die Ehre, zu-erst schreiben zn können, an. Nun hat der Leipziger gewonnenes Spiel.Er hat seine feste Bestellung. Schreibt er nichts gegen? Er hat jetztkeine Zeit; er wird zu stark überlaufen; er wird gerade abgerufen. An-fangs schrieb er schließlichso wenig als möglich"; man schrieb aberje länger, je weniger, und endlich gar nichts". Ein anderer Teilder Nettohändlcr ging aus Buchdruckern hervor.

Der Ncttohandel aber arbeitet an der Zerstörung des Systems, aufdem der ganze Bnchhandel zusamt den Nettohündlern selbst und die ganzelitterarischc Kultur Deutschlands beruht, ohne dem Gebrauche zu allgemeinerGeltung zu verhelfen, der die verhängnisvollen Folgen seiner Entwicklungaufheben könnte: das Konditionssystem. Die Verbindung von Tausch- undKonditionshandel ist Buchhandel; die Verbindung von Geld- und festemHandel ist Kaufmannshandel, und dieser ist auf den Buchhandel un-