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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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208 4. Kapitel: Der Durchbruch der neuzeitlichen Organisation.

anwendbar und muß ihn und die littcrarischc Kultur zu Grunde richten.Als zu Beginn der neunziger Jahre in Bayern das scharfe Censurediktvon 1769 in Anwendung gebracht werden sollte, da erklärten die dortigenBuchhändler: dann hörte aller Tauschhandel auf, und sie müßtenwieandere Krämer" nur mit barem Gelde saldieren.^ Ein uugencmnterEinsender stellte imNeuen Archiv" folgende Leitsätze auf:Ein Buch-händler muß dem andern ohne Ausnahme mit Sortiment aushelfen undgegen einander kompensieren. Wenn Handlungen, die Sortimentbrauchen, gegen einander mit Sortiment kompensieren, so werden siebestehen."'" Der Tauschhündler gewinnt mit nur wenigen guten Büchernschon ein ansehnliches Sortiment; so von Jahr zu Jahr; das hebt wiederden Verlag: man braucht sich dabei nicht zu übereilen, man unterwirftdie Angebote einer schärfern Prüfung. Damit ist der Tauschhandel zu-gleich das zweckmäßigste Mittel, mit dem kleinsten Zcitaufwande undverhältnismäßig geringen Kosten Bücher aller Art nach allen Richtungendes deutschen Vaterlandes, und gerade nach den Bedürfnissen und For-derungen eines jeden Staatsbürgers in Umlauf zu bringen. Tauschhandelund Sortimentsbuchhandel sind aber Wechselbegriffe, und der Sortiments-buchhandel istfür die Kultur und Wissenschaften durchaus nothwendig".

Der Buchhandel kann der derzeitigen Entwickelung der Litteraturund des litterarischen Bedürfnisses zufolge unmöglich weiterhin ein Handelmit ausschließlich festem Bezüge sein. Nimmt der Sortimentshündlernichts oder nur wenig: so ist er in Gefahr die Kundschaft zu verlieren;denn die Leipziger lassen ja ihre Sachen überall ausposaunen. DieLeipziger haben zwischen den Messen an ihrem eigenen Platze die Kom-missionslager aller Buchhändler Deutschlands zur Verfügung, sowohlfür sich, als zur Versorgung auswärtiger Sortimentshandlungcn, habenFrachtfreiheit und Kommissionärprovision; der fremde Buchhändler da-gegen muß die Bücher, die er nicht auf Lager hat, vielleicht ein ein-zelnes Buch, auf seine Kosten von weither verschreiben. Nimmt erviel: so ist, da er nur 33 ^ "/<. Rabatt hat und 10"/^ Rabattoftseinen Freunden zugestehen muß", sein Risiko unendlich. Um in Leipzig eine gute Auswahl zu treffen, dazu bietet die Messe weder Zeit nochMöglichkeit. So läßt er oft das Beste liegen und schleppt dasSchlechteste mit vielen Kosten nach Haus auf dieMakulatur-bühne".Daher sind vollständige Lager zum größten Nachtheile der