Wandlung des littcrarischen Bedürfnisses.
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predigten in viclcn Bänden, der „Labyrinthe der Zeit", der „Schau-bühnen der Welt" — die Zeit dieser Bücher war vorüber. Statt dessen„eine Menge kleiner Büchelchen, die aus Hand in Hand gehen, . . . .wodnrch denn endlich den Lesern die alten Kcrnbücher anstinken"; Bücher,die meist fünf Monate nach der Messe vergessen waren,, wenn ihnennicht eine verspätete handfeste Besprechung aufhalf. „Vorzeiten war esanders, da dachte man lange an alte Bücher, selbst an die schlechten."Man nahm sie noch nach Jahren in die Hände, weil ihrer wenigewaren.'^ An die Stelle anderer, aus der Mode gekommener Zeitver-treibe trat das Lesen, sagt Fichte; dieser neue Luxus fordert von Zeitzu Zeit neue Modewaren; denn es ist ja unmöglich, daß einer wiederumlese, was er schon einmal gelesen hat, oder auch das, was die vor unsgelesen haben.^ Statt der schwer und langsam dahinrollenden, aus-dauernden Wogen des Büchermarktes von einst jetzt kurze, hastige Wellen,die rasch aufzückten und verspritzten. „Bücher bilden Gelehrte; Broschürenbilden Mcuschcu", sagte man in den achtziger Jahren (1784); undGanz münzte im Jahre 1790 das Wort: „Der tcutsche Buchhandelwird zum Broschürenhandcl". ^ Die Klage über die vielen Duodcz-werkchcn und fliegenden Blätter war damals allgemein. Wie Nicolai,der Buchhändler und Buchschrciber zugleich, so hat zwei Jahrzehnte nachdessen vorhin angeführten Äußerungen Bensen sich besonders klar undtreffend über diese Dinge ausgesprochen. Die Scheide der littcrarischenZeitalter ist ihm dcr Siebenjährige Krieg. Bis dahin waren Kundender Buchhändler „nur die kleinere Anzahl von Gelehrten". Von da ababer eine so lebhafte und allgemeine Steigerung der Interessen, daßseitdem die Journale, Monats- und Wochenschriften immer mehr undmehr überhand nahmen. Das ist es aber gewesen, wodurch Schriftstellerund Publikum sich immer mehr gewöhnten, das Leichte dem Gründlichen,das Vergängliche dem Dauernden, das Gefällige dem Ernsthaften vor-zuziehen. So wurde das Wachstum einer großen Lesermenge erst rechtgefördert, der Geschmack am Lesen immer allgemeiner. Seit dem Sieben-jährigen Kriege haben die ernsthaften den schönen Wissenschaften Platzgemacht."
Entsprechende Erwägungen gelten für den Absatz. Er stieg; nichtnur absolut, sondern auch relativ; in einem den zahllosen Schilderungender höchst gesteigerten Lektüre entsprechenden Verhältnisse aber natürlich