270 5. Kapitel: Der Büchermarkt.
nicht: dem wirkten schon die zahlreichen tiefen Strudel der Lescgesellschaftcnund Lcsebibliothcken entgegen.
So erklären sich denn die zahlreichen den oben angeführten schein-bar widersprechenden Äußerungen über Bücherlcktürc und Bücher-absatz. „Die Gelehrten und die so zu dieser Classe gehören, sind esallein, welche Bücher kaufen", heißt es 1781.^ „Bibeln, Gesang-bücher, Calendcr und politische Zeitungen abgerechnet, sind ganz gewißgerade die Gelehrten, ohne allen Vergleich mit den andern Ständen imStaate, die stärksten Bücherkäufer, und die eigentlichste Stütze allesBuchhandels, ohne deren Kundschaft es um jeden Buchhändler, dem siefehlt, mißlich steht", heißt es in den Berichten der Buchhandlung derGelehrten 1784.^ Ein Buchhändler in der Stadt Goethes und Schillers schrieb im Jahre 1803, daß für den Büchcrabsatz ganz besonders dieStudierenden und Studierten in Frage kämen. Die Leselust, sagt erweiter, habe zugenommen, das Büchcrkaufen aber uicht; man befriedigedas litterarische Bedürfnis in Lesebibliothckcn und durch Lescgescllschaften,gebe es doch schon medizinische, juristische, theologische Lesegesellschasten.^
Die Verfassung, in die dadurch der Büchermarkt geriet, ist sehrnatürlich. Nach einem Umschwung, wie ihn das deutsche Geisteslebenin der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erfuhr, und der eine Kluftbefestigte zwischen dem, was gewesen war, und dem, was nun war und,noch mehr, was da kommen sollte, bedurfte es Jahrzehnte, bis sich einneuer litterarischer Schatz für das bessere Publikum aufgespeichert hatte.Die inhaltliche Bereicherung der Litteratur hielt mit dem steigenden Lese-bcdürfnis nicht Schritt. Erbittertc Klagen über die Berge von „Schofel",wie man damals die schlechten Bücher nannte, namentlich auch von denBuchhändlern erhoben, erfüllten die Luft wie niemals zuvor, und alsdas 19. Jahrhundert sich in einigem Abstände von diesem Zeitalter be-fand und es überschaute, gab es ihm den Namen des „Zeitalters derMaculatur".^
Wie stand es mit der buchhändlcrischcn Bedeutung der Klassiker?Die Preise ihrer Schriften bei ihren mehr oder weniger berühmten Ver-legern waren für heutige Begriffe unglaublich hohe. Schillers „Geschichtedes Dreißigjährigen Krieges" (mit 2 Bildern und 1 Kärtchen) kostete beiGöschen 18 Mk. (2 Nthlr. 12 gr.), auf Schreibpapier 21,°° Mk. (3 Nthlr.),auf holländischem Papier 28,«o Mk. (4 Nthlr.). Die „Geschichte des Ab-