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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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5. Kapitel: Der Büchermarkt.

>,cinzige Weg, sich richtige bibliopolarisch-philosophischc Einsichten zu er-werben", und endlich im Jahre 1792 öffentlich zur Einsendung möglichstzahlreicher und vielseitiger Beiträge zu einer von ihm geplantenbiblio-polarischcn Kulturkartc von Deutschland" aufrief. Er wollte darin dieVolksbücher (Schul-, Gebet-, Gesangbücher, Postillen, Kalender u. s. w.)in Rubriken bringen und je mit verschiedener Illumination bezeichnen,also eine kartographische Darstellung der Verbreitung jedes einzelnenVolksbuches herstellen. DieseVolksbücher" aber waren nach Fleischer 'dieeinzige geistige Speise des gemeinen Volks und steckten voll Aberglaubenund Vorurteile und hielten die Leute dumm und roh. Und der Buch-händler ruft aus:Glaubet nicht, daß ihr noch fernerhin so ungestört, dieWerke heidnischer Finsternis; und des menschenfeindlichen Pfaffengeistcswerdet ausbreiten können . . . Die Zeit ist nahe, da die gesunde Ver-nunft allgemein in ihre Rechte wird eingesetzt werden. Und diese Zeitkann und wird ohne Wehen nicht eintreten. Die Vorschnng, die Mannererweckte, welche dem gefesselten Volke, Gefühl für Leibeigenschaft undPfaffenjoch einflößten: kann und wird (ich blikkc wonnevoll diesen seeligcnTagen entgegen) auch unter uns, Buchhändlern, uneigennützige, mit Philo-sophie begabte Männer erwecken, deren Herz für Volkswohl schlägtdie das Gefühl der Gcisteskncchtschaft, selbst, unmittelbar, auf biblio-polarische, bisher noch nicht versuchte Weise, im Volke aufregen; die dasVolk, so ganz nach eigner, unmethodischer Art, an die bibliopolarischenUrquellen ihrer Unwissenheit und ihres Elendes führen werden . . .Ich sage es noch einmal: die Zeit der ersten allgemeinen Buchhändler-Revolution ist näher, als ihr glaubet!!--"

Die Sprache einer andern Revolution als die in der guten Stubeder siebziger Jahre; eine Reform der Höfe und Ställe, die dem Bauernsein Dach flicken und sein Vieh heilen wollte. Der Geist Rousseaus istbeiden gemeinsam; aber verband er sich dort mit Shakespeare undOssian, so hier mit Comenius und Pestalozzi. Es ist das erste ernstereAuftreten der Frage nach der Geistesnahrung für das Volk. Schonzog sie weitere Kreise. Lesegesellschaften überließen die Bücher nach demUmlauf jedermann unentgeltlich zur lcihweisen Benutzung; erste Keimevolkstümlicher Büchereien setzen sich an: für die Insassen der Militär-kascrnen, für die Untergebenen einer Gutsherrschaft, für die Gcmcinde-glieder einer Pfarrei.Auch auf dem Gebiete der Zeitung machten