Dcr socialpädagogische Buchhändler.
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messen sei und auf die 30 Millionen viel zu wenig Einfluß besitze: sohabe sich doch hierin vieles gebessert.
In der Thai, vieles war anders geworden; zum wenigsten undzuerst darin, daß das Bewußtsein von der Notwendigkeit solcher Ände-rung rasch zu außerordentlicher Stärke herangewachsen war. Gehenwir vom Buchhändler aus. Es war die Zeit Pestalozzis; und dasBeispiel eines Buchhändlers wie Wilhelm Fleischer in Frankfurt a. M."^beweist, daß es in ihr auch buchhändlcrische Socialpädagogcn oder social-pädagogische Buchhändler gab. Dem „edlen Triumvirat" Weiße, Campe,Salzmann verdankte Fleischer seine erste litterarische Geistesbildung;Comenius und Basedow waren seine Leitsterne auf der Bahn, die er,dem der Buchhandel als eine „Bemühung für Menschenwohl" galt, zuwandeln und zu weisen versuchte. Er kannte das litterarische Bedürfnisdes gemeinen Mannes und hat es uns geschildert, wie wir wünschenwürden, daß Hunderte und Taufende von Buchhändlern aller Zeiten ausihren Erfahrungen heraus literarisches Bedürfnis dcr verschiedenenVolksklassen geschildert hätten. „Der unstäte Handwerksbursche spürtemsig den Nobinsonaden nach. Er glaubt darinnen sein Bild zu er-blikken." Er wußte, daß Autor, Verleger und Sortimenter sich aufjeden Fall in die Welt des gemeinen Mannes versetzen und in ihr denHebel ansetzen mußten. „Der ungebildete Landmann ist bei abentheucr-lichen Vorfällen — wie sie die Eulenspiegeliadcn erzählen — ganzOhr: denn sie passen zu seinen rohen Begriffen. Altfränkische Lettern,buntschekkigte Tittel ziehen sein Auge auf sich; bei seltsamen Holzfigurcnweilt er mit Entzücken. —- Didotsche Lettern, Chodowieckische Kupferwürdigt er nicht einmal eines Blikkes." Er wußte aber auch, welcheVerantwortung deshalb auf Sortimenter und Verleger ruht. „In denmeisten Fällen wissen die Landleutc selbst nicht, was sie kaufen wollen,und geben nur eine dunkle Idee von ihrem Verlangen an, indem siezugleich die Summe bestimmen, welche sie darauf wenden können. Esbleibt deswegen dem Gutdünken des Buchhändlers überlassen, wie undwodurch er dem Verlangen jener, ein Genüge thun will." „Volksbücherund Volksbildung", sagt Wilhelm Fleischer, „stehen gemeiniglich im ge-nauesten Verhältnisse gegen einander." Er verfolgte den Gedankenmit solchem Interesse,' daß er auf seinen Reisen Gelegenheit nahm, dieserÜbereinstimmung sorgfältig nachzuspüren — er meinte, das sei der