Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
284
Einzelbild herunterladen
 

284

5. Kapitel: Der Büchermarkt.

mehr wert, als eine gelehrte Abhandlung. Robinson, Seefahrergeschichten,Der arme Mann von Toggenburg", Pestalozzis Gertrud und Lienhard",Werke von Steub, der ein Schuster, von Stilling, der ein Schncidcr-geselle, von Cook, der ein Kohlenbrenner war, das sind die Bücher, wiesie jetzt der Buchhändler drucken, die er annehmen und zu deren Ab-fassung er die Schrifstcller aufmuntern soll."^

Mit welcher Stärke die Wandlung in der Geschichte des Bücher-markts, die zu Beginn des 18. Jahrhunderts angehoben hatte, sich geradeim letzten Drittel des 18. Jahrhunderts vollzog, das sieht man, wennman die diesbezüglichen Schilderungen Nicolais aus den Jahren 1773und 1799 nebeneinander hält. In England und Frankreich , schrieb er1773, entspricht die Klasse der Schriftsteller der der Leser: jene schreiben,was diese zu lesen nötig haben und im Stande sind; in Deutschland dagegenbeziehet sich der Stand der Schriftsteller beynahe bloß auf sichselber . . . Sehr selten ist bcy uns ein Gelehrter ein Homme äeI^sttiös. Ein Gelehrter ist bey uns ein Theologe, ein Jurist, einMcdicincr, ein Philosoph, ein Professor, ein Magister, ein Direktor,ein Rektor, ein Konrektor, ein Subrektor, ein Baccalaureus, ein LoUeZainninus . . . Dieses gelehrte Völkchen von Lehrern und Lernenden,das etwa 20000 Menschen stark ist, verachtet die übrigen 20 MillionenMenschen, die außer ihnen deutsch reden, so herzlich, daß es sich nichtdie Mühe uimmt für sie zu schreiben." Die gelehrten Zeitungen sinddie Welt, in der sie leben.Die 20 Millionen Ungelchrtcn vergeltenden 20000 Gelehrten Verachtung mit Vergessenheit." Was bleibt aberfür ihr Lcsebedürfnis, das auch in ihnen vorhanden ist? DieInselFelsenburg" und die moralischen Wochenblätter;die daher weit mehrgelesen werden, als die größten Genien."Daher sind einige Städtebcy uns so helle, und ganze Länder liegen in der größten Finstcrniß"."^Nicolai hat damals die Lektüre des großen Publikums überhaupt nochmit außerordentlich altzcitlichen Farben gemalt; wenn auch die Thatsache solcher seiner Äußerungen allein schon die Wandlung, die im Gange war,aufs deutlichste beweist. Im Jahre 1799 gesteht er denn auch: wenndie Schriftsteller auch noch immer aufeinseitige Speculation und Ima-ginationen" ausgingen und ihre Leser nicht kennten, die deutsche Litte-ratur den Bedürfnissen der Leser deshalb noch bei weitem nicht cinge-