Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
283
Einzelbild herunterladen
 

Jugcndlittercitur. Grundsätze des Verlegers beim Vcrlagsaugcbot, 2FZ

amüsante Bemerkung:Vorher fvor der Übergabe des Manuskripts aneinen begutachtenden Gelehrten^ sehen wir schon, ob der Inhalt gar zuspccicll ist, daß also nicht viel kluges darinn abgehandelt werden kann".^^Der schweizerische Buchhändler Heinzmann gab dem Verleger im Jahre1795 folgende Vorschriften. Mit Büchern gelehrter biblischer Kritik,theologischen Streitschriften soll er sich nicht einlassen. Nur praktischeChristen sollen über das Christentum schreiben; die gelehrte Büchcrreligiouist der Tod der Seele. Die wenigen juristischen Schriften, die er an-nimmt, sollen von sehr bekannten Männern der Praxis herrühren, die medi-zinischen Schriften nur von selbst praktizierenden Ärzten, und zwar be-sonders von Chirurgen, denn hier findet die Theorie am wenigsten Platz,die Schriften über Landbau und alle Arten der Gewerbe und Künste nurvon kenntnisreichen Fachleuten: die Chimären der Gelehrten bringen nurZweifel und unglückliche Versuche. Von Philosophie nichts; die Mode gehtzu schnell vorüber. Über Erzichungstunst ist soviel geschrieben worden, daßkein Buchhändler mehr ein Blatt weder pro noch contra drucken sollte.Also nichts von Pädagogik! Über grammatische Streitigkeiten nichts!Über politische Kannengicßcrcy nichts! Über Katholizißmus und Pro-tcstantißmus nichts!" Aber auch den schönen Wissenschaften gegenübersoll sich der Verleger höchst zurückhaltend verhalten. Warum? Es sindmeist Nachahmungen. Romane soll er nur verlegen, wenn sie dasWerk feinster Welt- und Menschenkenntnis (und nicht ungesittet) siud.Was bleibt übrig? Naturlchrc und -gcschichtc, Geschichte und Erd-beschreibung, Rcisebcschrcibungcn. Die Werke der Naturlchrc und -gc-schichtc dürfen nicht metaphysisch und nichtkleinlich" sein, d. h. etwabloß Insekten oder bloß Steine behandeln. Sie sollen einesteils denGedanken an den Schöpfer, die Ordnung und Allmacht der Weltrcgicrungerwecken, in der Natur das Große, Schöne und Erhabene zeigen, andcrn-teils durch Verbindung namentlich mit Mathematik und Mechanik fürsbürgerliche Leben nutzbar sciu mit einem Worte also wahre Volks-tümlichkeit besitzen. Nach denselben Gesichtspunkten sind die Werke derGeschichte und Erdbeschreibung zu beurteilen. Die gemeinnützigsten Ver-lagswerkc sind die, die von Ungclchrten und Geschäftsmännern, nicht vonGelehrten undeigentlichen Büchcrschrcibcrn" herrühren. Gelehrte Ab-handlungen sind wie Predigten:Sic ennüyrcn, und man schläft darüberein". Eine Neiscbcschrcibung von einem Handwcrksburschcn ist zehnmal