Geistcsncihnmg für das Volk. Beckers „Roth- und Hülfsbüchlcm". 28?
sich diese Bestrebungen bemerkbar: Salzmann wandle sich an die Bauernmit seinem „Boten ans Thüringen"; es gab z. B. eine Tyroler undGräzcr Baucrnzeitung; bei Blättern freilich wie der „Endorfer Posaune"(1789) oder „dem mit einem Sächsischen Bauer von den neuesten Kricgs-und Weltgeschichten redeude Preußische Soldat" (Merseburg 1795) schienenschon die Titel zu zeigen, wie wenig sie dem Zwecke entsprachen; imJahre 1792 stellte die Churmainzische Akademie zu Erfurt die Preis-frage, wie das deutsche Volk von den Vorteilen seiner Verfassung iuVolksbüchern und Zeitschriften belehrt werden könne; in Gera wurde1795 eine „Aufrichtige Deutsche Volközcitung" geplant.^" Als ersterAnfang littcrarisch zielbewußt an der Erfüllung der Forderung allgemeinerBildung zu wirken, kann der „Katechismus der Sittenlehre für dasLandvolk" von Goethes Schwager Schlosser (1772) gelten.'^ Daswichtigste Ereignis auf diesem Gebiete und ein wirkliches litterarischesund buchhcindlerischcs Ereignis war das Erscheinen von Rudolf ZachariasBeckers „Roth- und Hülfsbüchlcm für Bauersleute" im Jahre 1788.Die Idee dazu ist nicht von Goschen, bei dem es erschien, sondern vonBecker ausgegangen; aber Becker (geb. 9. April 1752 in Erfurt, . Theo-loge von Beruf, seit 1783 Schriftsteller in Gotha ) war seit dem Jahre1784, in dem er in Gotha die „Deutsche Zcituug für die Jugend undihre Freunde" gründete — eine Art Fortsetzung der vorher (1782,1783) von ihm redigierten „Dessauischcn Zeitung für die Jugend undihre Freunde", des Organs des Dessaucr Philanthropins; die spätere„Nationalzcitung der Deutschen " —, und seit welchem Jahre er auchgelegentliche buchhündlerische Geschäfte uutcruahm, schon ein halber Buch-händler, wenn er die „Beckcrsche Buchhandlung" auch erst am 1. No-vember 1795 errichtete. Er sah mit Schmerz und Unwillen, wie diefortschrittlichen Erkenntnisse auf die höhcrn Stünde und den vornehmenBürger eingeschränkt waren, und beschloß ein „ganz außerhalb dem Zirkelder zeitigen Modelcctüre liegendes" Haus- und Familienbuch für dendeutschen Bauer herzustellen, das den „vornehmsten leiblichen und geist-lichen Nöthen des Landmanns abhelfen und seinen zeitlichen Wohlstandsowohl, als seine Zufriedenheit mit Gott und der Welt befördern" sollte.Die Einleitung — „Lehrreiche Geschichte der Freuden und Leiden derBewohner von Mildhcim" — erzählt, wie in der Gruft des Gutsherrndas Skelett seines jungen Weibes, das scheintod begraben worden ist,