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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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5. Kapitel: Der Büchermarkt.

entdeckt wird: neben dem Sarge liegend, ein Kindergcrippe im Schoß.Der Gutsherr kommt in Besitz des Roth- und HülfsbüchleinS, das übersolche Fragen Belehrung gibt, und stellt es den Dorfbewohnern zur Ver-fügung. Der erste Teil enthält Anweisungen über alle den Landmannangehende häusliche Verhältnisse und moralische Pflichten. Der zweiteTeil belehrt den Mann, in einer der Verschiedenheit der deutschen Land-schaften und ihrer Bodenerzeugnisse angepaßten Weise, wie er in allenEhren zu Wohlstand gelangen könne. Der dritte Teil gibt speziell Vor-schriften bäuerlicher Selbsthilfe bei allen möglichen Vorfällen, lehrt dieKunst alt zu werden, gibt einen Grundriß der Lebensweise des Gesunden,des Kranken, des Wiedcrgcncscndcn. Den Schluß bildet die Fortsetzungder Geschichte des Dorfes Mildheim: der Gutsherr kehrt von einer Reisenach Berlin zurück und erzählt den Bauern von Friedrich dem Einzigenund dessen Sorge für das Wohl der Landleute. 28 Bogen umfassend,hatte das mit 49 Holzschnitten ausgestattete Buch, das billigste, das esgab, einen Verkaufspreis von nur 4 Groschen oder 18 Kreuzer Rheinisch der Bogen noch nicht 2 Pfennig und wurde mit einem Schlageeins der populärsten Bücher Deutschlands . Noch iin Jahre des Er-scheinens wurden 30000 Exemplare abgesetzt, schon im Jahre 1791erschien die elfte rechtmäßige Auflage, und die Buchhändler^ erklärteneine so rasche Verbreitung eines Buchs in solchem Umfange für einEreignis, das in der Geschichte des Buchhandels ohne Gleichen sei; einbuchhändlerisches Ereignis im engern Sinne war es übrigens nicht:diese gute und nötige Geistcsnahrung konnte zu so billigem Preise unddadurch in solcher Ausdehnung dem deutschen Volke nur in die Händegegeben werden, indem man den berufsmäßigen Zwischenhandel aus-schaltete; das Buch wurde ganz auf dem Wege der Subskription unddurch Becker unmittelbar vertrieben. Mit Bewilligung des Verfassersveränderte Ausgaben erschienen, die das Werk den verschiedenen Voraus-setzungen und Anforderungen der verschiedenen Gegenden Deutschlands anpaßten; Nachdrucke wurden veranstaltet; Regierungen sorgten für seineVerbreitung 122; ^d der Titel:Noth- und Hülfsbüchlein" wurde einZugmittel des Verlegers: es erschienen Noth- und Hülfsbüchleininpolitischen und Nechtsangelcgenheiten im preußischen Staate" (von Renke),für Hebammen (bei Palm iu Erlangen),für Freudenmädchen und ihreKinder" (Bremen , 1799),für Alle, welche in der Liebe oder durch Selbst-