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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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5. Kapitel: Der Büchermarkt.

an war dcr Notendruck auch in Deutschland geübt worden, und zu Endedes 17. Jahrhunderts erfanden z. B. Wolfgang Moritz Endter und derMusiker Georg Caspar Wecker in Nürnberg eine verbesserte Notcntype.'"°Allein das Entscheidende ist die Gestaltung des Handels: und der Handelmit gedruckten Musikalien stand bis zu Breitkopfs Auftreten auf einerStufe, die schließlich nicht viel höher war als diejenige, auf welcher vorGutenberg der Buchhandel gestanden hatte. Die Typen waren plump,oft wahre Ungetüme, ihr Druck umständlich und für das Auge uner-freulich; für schöne Notcndrnckwcrke war man auf den teucrn Kupferstichangewiesen, der seit dem letzten Viertel des 17. Jahrhunderts, von Frank-reich aus, sich auch auf diesem Gebiete verbreitet hatte; die Herrschaftaber führten die geschriebenen Musikalien. Erst Breitkopf, der erste,der (1754) Musiknoten aus Teilzügen setzte, gab dem Notensatz eineEinfachheit, die es ermöglichte, gedruckte Musikalien in großem Umfangemit Erfolg zu verlegen. Es war ein Fortschritt, der zu den größten Er-eignissen in der Geschichte der befruchtenden Wirkungen dcr Technik aufden Handel gehört. Im Jahre 1756 erschien das erste musikalische Typcn-druckwerk desinventore cki Hue8t.a nnovk ummer-T cii staiHMl' Ig.musiea, eou earrattsii sezzgiadili s ruutadili". wie Breitkopf am Schlüssedes WerksII t-rionto üeUa teäöltg" sich nannte. Mit welcherGründlichkeit und in welcher Ausdehnung legte nun Breitkopf sogleichdie Grundlagen zu dem Musikalienhandel einer neuen Zeit! Freilichnoch nicht eines ausschließlich auf den Druck gestellten; wie wäre es auchso rasch möglich gewesen. Er erzählt im Jahre 1770, daß die Liebhabersich gar nicht gewöhnen wollten, nach gestochenen uud gedruckten Musi-kalien zu spielen, sonderuöfters lieber Abschriften theurcr bezahlen, alsdiese haben wollen". So mußte er denn auf seinem reichen Lager nichtnur Druckexeinplarc, sondern auch Abschriften führen. Der Bogen ge-schriebener Musikalien, nur zu häufig bibliographisch unzuverlässig, in-haltlich unvollständig, instrumental unrichtig, galt damals in Deutschland 3 Groschen und weniger; von Breitkopfs sauberen und richtigen Abschriftenauf starkem Royalpapicr kostete der Bogen 4 Groschen und enthielt ge-wöhnlich das Doppelte bis Dreifache an Noten. Das Lager betraf zu-nächst die deutsche Musik, erstreckte sich aber bald auch auf die englische,französische und italienische. Zugleich aber schuf er in den Jahren17601787 die ersten systematischein und thematischen Kataloge, durch