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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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München. Südwestliches Reichsgebiet. Stuttgart, Tübingen . 511

Köselsche Buchhandlung in Kempten , die im Jahre 1800 an den^Be-griinder der heutigen Firma, Joseph Köscl, gelangte. In das Jahr1801 fällt die Gründung der heutigen Weltfirma Herdersche Verlags-handlung in Freiburg i. Br. Sic ist auch deshalb merkwürdig, weilsie ausdrücklich und bewußt zu eben dem Zwecke begründet worden ist,der ihre gesamte Entwickclung beherrscht hat, und dem sie heute in sohervorragender Weise dient. Bartholomäus Herder, geboren am 22. August1774, der Sohn eines Nottweilcr Senators, studierte, nachdem er dasGymnasium absolviert hatte, auf der Klostcrschulc zu St. Blasien undbezog die Universität Dillingen in der Absicht gelehrter Buchhändlerzu werden". Mit 24 Jahren verließ er sie und überreichte Dalberg,dem damaligen Coadjutor, seit 1800 Fürstbischof von Konstanz , eineAbhandlung,wie durch den Buchhandel am einflußreichsten auf dieBildung der Geistlichen und des Schulwesens eingewirkt werden könne".Dalberg antwortete darauf, indem er ihm im Jahre 1801 die Ge-nehmigung erteilte, in Mecröburg eine Buchdruckerei und Buchhandlungzu errichten. Schon vom Jahre 1802 an erschien nun hier bei HerderdasArchiv für Pastorale Konferenzen"; nach der Säkularisation ver-legte Herder sein Geschäft nach Freiburg. ^

Mein Gcwcrb und Metier der Buchhandlung", heißt es in einerEingabe des Ludwigsburgcr Buchhändlers Christian Heinrich Pfoten-Hauer vom Jahre 1756, in der dieser seinen Nahrungsmangel vorstelltund flehentlich um ein Privileg auf ein oder mehrere Vcrlagsbücher bittet,ist nicht nur durch die schon angezogene generale Nahrungslosigkeit zuLudwigsburg, sondern auch wie ich mit Wahrheit zu sagen mich nichtentbrcchen kcm, durch die in den höchsten Flor und Aufnahm gekomen,alltägl. aber mit mehrere»! Profit und Nahrung versorget werdende Buch-händlcre und Buchdruckere zu Stuttgart und Tübingen beeinträchtiget, alsdenen nicht sowohl f nicht nur^ ein gcbauutcr und gebahnter Wegzu aller nur erdenklichen Nahrung und Verschluß gemacht, und sonderlichmit verschiedenen, ja allen Schul- und anderen Verlags-Büchcrn, die imLand eingeführt, am höchsten aufgcholffcn, sondern auch übrigens bei)aller Gelegenheit, der vordingliche ?avc>r gewiß und eigen ist".^° Tü-bingen und Stuttgart : sie waren in der That die beiden Hauptplätzcdes württcmbergischen Buchhandels. Einen bedeutenden Verlag findenwir zunächst in Tübingen : Jac. Fr. Hecrbrand (Meßkatalog 1778/1815).