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Vor ihm war der bedeutendste württembcrgische Verlag der I. G. Cottaschcin Tübingen. Stuttgart, die spätere buchhändlerische Hauptstadt Süd-deutschlands , zählte zu Ende des 18. Jahrhunderts bei 18500 Ein-wohnern vier eigentliche Buchhändler: Metzler, Erhard, Loeflund undSteinkopf. In den Meßkatalogen macht sich nur die I. B. Metzlersche(1744—1793) und die Erhardsche Handlung, diese ganz besonders in derZeit ihrer Vergesellschaftung mit Loeflund (1789—1796) stärker bemerk-bar. Im Jahre 1787, als in Leipzig Philipp Erasmus Reich die Augenschloß, begann in Tübingen die buchhändlerischc Laufbahn Johann GeorgCottas, des zweiten Mannes in der Geschichte des deutschen Buchhandels,den die Zeitgenossen mit dem Titel: Fürst der deutschen Buchhändlergeschmückt haben. Ein Mann, an Größe des Geistes, Tiefe und Weiteder Beanlagung seinem norddeutschen Vorgänger weit überlegen. Königenein Genosse und furchtloser Opponent, Kronprinzen ein Bankier, warer ein Diplomat von Gottes Gnaden, ein Staatsmann, dessen Wirkender Verfassungs- und Staats- und Volkswirtschaftsgcschichte Süddeutsch-lands angehört, ein unvergleichlicher Agronom und Musterwirtschafter.Von Vater und Oheim, dem Kanzler der Universität Tübingen , ursprüng-lich zum Theologen bestimmt, trieb ihn Feuer und Schärfe seiner An-lage dem Ziele des Genieoffiziers zu — und ist er es nicht geworden?Er studierte Mathematik und Geschichte, ging, unter Festhaltung seinesLieblingsfaches, der Mathematik, zur Jurisprudenz über, promovierte,absolvierte glänzend sein Studium, ging nach Paris , lernte hier Fran-zösisch, studierte Mathematik, erhielt die nachhaltigsten Anregungen aufpolitischem und künstlerischem Gebiete und knüpfte wertvolle Bekannt-schaften an, legte, nach Tübingen zurückgekehrt, hier die Prüfung desHofgcrichtsadvokaten ab und beschäftigte sich mit dem Studium derNaturwissenschaften. Da bestimmte ihn der Vater, der in Stuttgart die von ihm gegründete Hof- und Kanzlei-Buchdruckcrei betrieb, zurÜbernahme der Buchhandlung in Tübingen , mit der es unter der Ver-waltung von Faktoren mehr und mehr bergab gegangen war. Drei-undzwanzig Jahre alt war der ungelernte Neuling, als er am 1. De-zember 1787 das Geschäft übernahm, nachdem er sich in sechzehnmonat-licher unausgesetzter Arbeit in den Buchhandel eingearbeitet hatte; nachzehn Jahren waren die Grundlagen des neuen Cottaschen Gebäudes:die Verbindung mit den großen Dichtern und die Allgemeine Zeitung ,