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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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8, Kapitel: Das bibliopolische Teutschland.

verlegen müssen, und mancher habe durch die geschilderten Schwierig-keiten die Lust zu littcrarischcn Veröffentlichungen verloren. Es sei un-bedingt notwendig, den Buchhandel zu beleben mittelstgrößerer Con-currenz durch Herbeyzichung von Protestanten".

In München war der erste Buchhändler, der die Aufmerksamkeitauf sich zog, Johann Aloys Crätz, ev'angelischcr Konfession, und deshalbin München der Lutherische Buchhändler" genannt. Er ließ sich inder Mitte der 1760er Jahre mit ansehnlichem Vermögen in München nieder (Meßkatalog 1769/85), vereinigte sich mit dem Canonicus Braun,verwandte 10000 Gulden auf neuen Verlag, bezog die Leipziger Messenund schuf ein Lager, wie man es bis dahin in Bayern noch nicht ge-kannt hatte.So half er das scheinbar undurchdringliche bayrische Eismit allen Kräften brechen."^ Die Handlung blieb die bedeutendsteMünchens auch nach Crätz' Tode; im Jahre 1786 erwarb sie JosephLindauer, unter dem sie einen außerordentlichen Aufschwung nahm, unddessen Namen die Firma noch heute bewahrt. Vom Jahre 1784 aberscheint in den Meßkatalogen die zweite bedeutende Handlung Münchens :in diesem Jahre übernahm der rührige und begabte Joseph Lcntner, ausTegernsee gebürtig, die 1698 von Johann Hibler gegründete heutigeI. I. Lentncrsche Buchhandlung. Sehr kräftig endlich war auch derVerlag von I. Bapt. Strobl (Mcßlatalog 1781/95), einem überzeugtenPriester, wie wir uns erinnern, des süddeutschen Nachdrucks. Alle üb-rigen im Meßkatalog vertretenen bayrischen Firmen stehen weit unterden genannten Buchhandlungen Münchens ; die namhaftesten sind inSalzburg das dortige Waisenhaus (17791807) und F. X. Duyle(seit 1789), in Landshut Krüll (seit 1802).

Wenden wir uns von München westwärts, um dem Rheine zuzu-streben, so haben wir ein Gebiet zahlreicher ganz besonders bunt durch-cinandergcwürfelter Herrschaften zu durchschreiten; in älterer Zeit machtensich hier am stärksten Jacob Otto in Lindau (Mcßlatalog 1758/68),später Wagner Sohn in Freiburg (Meßkatalog 1779/83) und dieTypographische Gesellschaft in Kempten (17841788), bemerklich; denbedeutendsten Verlag weisen hier die Meßkataloge, aber nur für ein paarkurze Jahre, in Memmingen auf (A. Seyler, 17891792). So mancheHandlung, die, damals noch unbedeutend, später zu besonderm Ansehenkommen sollte, wäre auch hier zu nennen; so die 1593 gegründete Jos.