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biete übrigens die orientalischen Völker den abendländischenüber sind. Nichts wäre irriger, als ihn zu verwechseln mitder Kunst, die Menschen zu behandeln, welche ja auch zuder Kunst des Lebens gehört, aber in ein ganz anderesKapitel. In diesem spielt umgekehrt das Wehethun einehervorragende Rolle. Die Kunst der Menschenbehandlungwird geschichtlich erwiesenermaßen auch sehr erfolgreich aus-geübt durch Mißhandlung. Die Menschen haben von jeheram meisten Verehrung gezeigt für die, welche sie verachtetenund zum Schemel ihrer Füße machten. Nicht nur die Er-oberer, Herrscher und Staatsmänner haben dies Geschäftmit Virtuosität betrieben, ' sondern durch alle Abstufungendes Lebens hindurch läßt sich die Erscheinung beobachten.An dem willensstarken Künstler, welcher die neueste Epocheder deutschen Musik in sich verkörpert hat, habe ich stetsdie konsequente und raffinierte Kunst, sich Anbetung durchMißhandlung zu schaffen, angestaunt, und der Philosophdes Pessimismus, welcher durch eine bedeutsame innere Ver-kettung der Liebling dieser musikalischen Schule gewordenist, hat zugleich in seiner Lehre den spekulativen Schlüsselzu diesem Geheimnis den Jüngern als sein Vermächtnishinterlassen.
Vor etlichen Jahren hat ein Engländer ein Büchleingeschrieben, in welchem er die Summe der Regeln des gutenAnstandes unter dem Titel vvn't! zusammenfaßte. Wasman alles thun soll, wenn man ein ordentlicher Menschsein will, findet nach der lakonischen Formel, über welchediese praktische englische Sprache verfügt, seinen besten Weg-weiser in der Erkenntnis dessen, was man nicht thun soll.Zwar sagt der, auch nicht unpraktische, Italiener elli n<mLA non Lg.Ua, wer nicht thut irrt nicht, im entgegengesetztenSinn, damit ausdrückend, daß man nicht aus Furcht zuirren vor dem Thun zurückschrecken sollte. Aber bei der