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diesem tollen Rennen nach Einthun und Weitergeben; undeiner der niedrigsten aller Triebe, der der Nachahmung,entfesselt es immer mehr zum Unsinn. Auch hat die Ver-zweiflung des Schenken-müssens und -nicht-wisfens bereitseines der prosaischsten Hilfswerkzeuge in diesen Frohndienstder Liebe eingeführt: den „Wunschzettel". Ein Wunsch-zettel unter Erwachsenen — ein Schritt weiter und derSchenknehmer kauft sich ohne vorheriges Fragen und Ant-worten das Gewünschte selbst, läßt nnr dem Schenkgebereinfach die Rechnung schicken. Der Wunschzettel unter Er-wachsenen grenzt schon an die Tabaksdosen, welche gekrönteHäupter nach ihren Besuchen unter den Höflingen zurück-lassen. In jeder Tabatwre liegt ein Zettel, auf dem ver-zeichnet steht, um welchen Preis das Geschenk beim Hof-lieferanten wieder zu Geld gemacht werdeu kann. ,
Die Massenleistung treibt alles, was an Kunst erinnert,aus dem Spiel der Seelenkräfte heraus in das mechanischdahinwirbelnde Rad der Fabrikthätigkeit hinein. Wie un-endlich mehr Wert hat ein einziges, in der Stille auseigenem freien Antrieb dargebrachtes Geschenk, sinnig aus-gewählt nach sorgfältiger Prüfung von Sache und Person!Das nur ist ein Zeichen wahrer Huldigung, und in derWahl des Gegenstandes spiegelt sich das verstündnisreicheWohlwollen des Gebers für den Empfänger. Denn einGeschenk soll weder etwas ganz Überflüssiges, noch etwasganz Nützliches sein. Ist's ganz überflüssig, d. h. auch zurBefriedigung des letzten Luxus- und Berschönerungsbedürf-nisses nicht zu brauchen, so ist es lästig (man denke an diehunderttausend gänzlich sinn- und zwecklosen Stickereien undHäkeleien, die in solchen Tagen durch die Lüfte schwirren) —und ist es ganz nützlich, so ist es erstens prosaisch uudzweitens sinnwidrig. Das Schenken soll aber poetisch sein,wenn auch nur ein bischen. Sein Baterland ist im Be-