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Alle die vielgestaltigen Formen, welche der Starke erfand,um den Schwachen zu brandschatzen, oder der Schwache, umsich vom Starken Schonung auszuwirken, von den Opfer-tieren, welche vor Vieltausend Jahren ans den Altaren dergefürchteten Götter geschlachtet wurden, bis zu dem Trnt-hahn, den der Bauer dem Pfarrer noch heute in die Küchebringt, sind nur verschiedene Gestaltungen desselben Ge-dankens. Bei den orientalischen Völkern gehört das Schen-ken der Kleinen an die Großen von jeher zu den Formendes Staatsverkehrs, und die regelmäßigen Zwaugsgeschenkedes Vasallen an den Lehnsherrn spielen dieselbe Rolle inunserem Feudalwesen. Zwar sind die Philologen darüberuneinig, ob das romanische üsZalo, welches im Jtalieuischeunoch heute das Hauptwort für Geschenk und ans demSpanischen ius Italienische, von da ins Deutsche und Fran-zösische übergegangen ist (rkAAlsi-, regalieren) vom lateini-schen Rsx und rsAg-lis abstamme. Jedoch stimmt die Sachedem Sinn nach so ganz und gar zusammen, daß man sichdurch kleiue Zweifel, die aus den Gesetzen der Lautum-bildung gezogen werden, daran nicht irre machen zu lassenbraucht. An die größten Sultane und die kleinsten Neger-fürsten tritt man bis auf diesen Tag zur ersten Anbahnungder Beziehungen mit Geschenken heran. Jedes Palaver mitKönig Coffi und König Bell, welche wir vor vier Jahrenzur Zeit der seligen Lüderitz-Begeisterung auf Händen trugenund auf allen Jahrmärkten im Bild verehrten, wurde miteinem Geschenk eröffnet. Zwar auch Geschenke geben istfürstlich, besonders aber doch Geschenke nehmen, so sehr,daß es nicht einmal zn Dank verpflichtet, unter Umständenzur Ungnade ausschlagen kann. Als Jsabella von Kastilieneines Tages auf einer Reise von katalanischen Webern einDutzend seidener Strümpfe überreicht wurde, herrschte siedie Deputation zornig an mit den Worten: eine Königin