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zu Ende gelesen habe, klingt mir's in den Ohren, wie dieSchlußworte eines ehrwürdigen Attinghausen — manbraucht ja nicht notwendig zu sterben, um ehrwürdig zusein —: „Seid einfach, einfach, einfach!" Und die Mah-nung scheint mir immer mehr nachdrücklicher Wiederholungzu bedürfen. Wo ich ein neues Talent aufkommen feheund mich über eine erste Leistung freue, zwingt mich Er-fahrung, sofort zu fürchten, daß ich beim zweiten Maleschon einen Ansatz zur Verbildung in der Schreibweise ge-wahren werde, und beim dritten Male trifft es meistens zu.Man hat den deutschen Schriftstellern so lange ihre Form-losigkeit vorgehalten, daß sie sich zu einem großen Teil indie Manier hinübergeschraubt haben. Mehr will ich fürdiesmal nicht sagen, und ich hätte auch so viel nicht alsIntroduktion bei den Haaren herbeiziehen dürfen, wennnicht mein Gegenstand, das Briefschreiben, ganz besondersgeartet wäre, jene Mahnung zu empfehlen. Weder beimSchriftstellern noch beim Reden kommt man mit der Ein-fachheit allein aus. Zwischen beiden in der Mitte stehtder Brief. Hier hängt das Gelingen lediglich davon ab,einfach und natürlich nur aus sich selbst zu gestalten.
Jene drei Artikel über die Freuden des Lebens hattennoch ein ganz besonderes Verdienst. Ich sage Artikel. Heut-zutage nennt man das Aufsätze. Ich finde das Wort indieser Anwendung entsetzlich. Es führt unmittelbar auf dieSchulbank zurück. Allen Respekt vor ihr, aber ihre Ver-längerung ins Leben hinein scheint mir bei uns nicht Be-dürfnis. Ob man, wie jetzt gemeint wird, das Leben inder Schule lernen kann, ist mir zweifelhaft. Vitas noiisokolas <Zi8(zimuL heißt: wir sollen für das Leben, abernicht das Leben lernen in der Schule. Mir ist bang, esgeht alles auf mehr Dresfur hinaus, und wir haben davonschon eher zu viel als zu wenig. Kann man Menschen zu
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