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Freien dressieren? Ich meine: zu innerlich Freien? Dassollen sie doch werden, nicht politisch, — Gott bewahre!
Das besondere Verdienst besagter drei Artikel bestanddarin, daß sie einen der Mühe überhoben, das in ihnenbesprochene Buch zu lesen. Nach dem großen Dank, densich ein Mensch dadurch erwirbt, daß er uns ein schönesBuch verrät, kommt gleich derjenige, den wir ihm dafürschulden, daß er uns die Mühe spart, ein wenig schönes zulesen, besonders wenn der Titel verführen könnte. GiottosBetrachtungen über die Freuden des Lebens waren ganzgewiß viel köstlicher als der Inhalt des englischen Buches,und indem sie uns vor demselben warnten, verbanden sienach bekanntem Rezepte ein Vergnügen mit einem Nutzen.
Sir John Lubbock beging den Fehler, daß er etwasbeweisen wollte. So verstehe ich auch dem Grundenach Giottos Kritik. Hätte jener sich damit begnügt, dieFreuden des Lebens zu beschreiben, und wären es auch uurdie Freuden seines Lebens gewesen, so hätte er uns er-freuen und belehren können. Aber das Leben ist schon zualt, um ihm noch ein Leumundszeugnis, ein gutes oder einböses, auf den Weg zu geben. Man braucht es gar nichtzu verteidigen gegen die, welche uns beweisen wollen, daßes noch schlechter sei, als wir meinen. Was soll mit letz-terem Beweise bezweckt werden? Daß wir nns wenigervor dem Tode fürchten? Ich bezweifle die Wirksamkeitdieser Methode. Und wie der alte Montaigne sagte: schließ-lich können wir's ja doch alle, das Sterben nämlich, undbrauchen es nicht zu lernen. Wenn die großen Pessimisten,Sakia Muni, Pascal oder Schopenhauer gegeu die Freudendes Lebens predigten, so war eben das ihre Freude amLeben. Tot hätten sie dies Vergnügen nicht haben können.
Bei all dem giebt es doch etwas wie Lebensweisheit.Aber es gilt von ihr das Wort, womit jener Professor der