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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
Entstehung
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III.

Ein Weihnachtsßmef.

(24. Dezember 1892.)

An den Herausgeber derNation ".

Lieber Freund!Sie meinen, es sei etwas wie ein Herkommen, daß ichzu Weihnachten vorspreche, und unser Publikum erwartedas von mir. Es ließe sich manches sagen bei dieser Ge-legenheit über die Art, wie Rechte und Pflichten entstehen.Kennen Sie die Geschichte von dem armen Mann, der jähr-lich von einem Reichen am bestimmten Tag eine Gabeempfing, und als er durch einen Zufall zu Gelde kam undnatürlich auch zu dem Entschluß, künftig aus diesen Zu-schuß zu verzichten, sich doch zuguterletzt wieder anders be-sann mit der Erwägung: warum soll ich jenem das Geldschenken, das er mir bisher gab, was denn schenkt er mir?Ich bin nun gar nicht der Ansicht, daß der Autor demPublikum etwas schenkt. Meines Erachtens verhält sichdie Sache eher umgekehrt. Von den Unsterblichen ab-gesehen, von den Shakespeare, Mozart und Goethe, welcheder Menschheit mehr Freudenquellen eröffnet haben, alsdie größten Staatsmänner und Feldherren aller Zeiten,wo sind die Schriftsteller, welche nicht das Publikum missen