könnte, während doch der Schriftsteller ohne sein Publikum,sein wenigstens eingebildetes, nicht denkbar ist. Wer sichlange vor der Öffentlichkeit herumgetrieben hat, gerät natürlichvon Zeit zu Zeit ins Nachsinnen über die Geheimnisse diesesBegriffs „Publikum". Geht's ihm schlecht damit, so stehtihm der Trost jenes Mannes zu Diensten, der die berühmteFrage aufgeworfen hat: Oomkisu. taut-il sots xourLairs rm xudliL? Versagt ihm die Lust oder die Kraft,so kommt ihm der Vers zu Hilfe:
„Es versteht nicht solch ein Maulheld,Warum der Mensch zuletzt das Maul hält."
Aber das Beste an Trost und Hilfe ist immer, wennman sie nicht braucht. Da lobe ich mir schon viel mehrjene andere Bemerkung des großen Selbstironikers: „DerSchriftsteller gewöhnt sich allmählich an sein Publikum, alswäre es ein vernünftiges Wesen."
Alles Reden und Schreiben ist doch das reine Nichts,so lange wir uns nicht dabei vorstellen, wie es in anderenKöpfen wiederklingt. Es ist im Grunde dasselbe wie mitdem Entspringen aller nicht rein sinnlichen Genüsse ausder Wechselwirkung, auf der die ganze Ökonomie des Ge-dankenlebens beruht. Ein Sprichwort sagt: Nichts schmecktbesser, als was man selbst ißt. Auch das sogar halte ichfür grundfalsch. Nehmen wir einen Kochkünstler oder einegute Hausfrau. Schmeckt ihnen, was die Gäste mit Appetitund Verständnis genießen, nicht unendlich viel besser, alswas sie selbst verzehren? Warum? Weil in ihrer Vor-stellung die Empfindung des anderen Genießenden sich vielvollständiger ausdrückt als in der eigenen Wahrnehmung.Nichts ist so ganz und vollkommen wie der Gedanke, dasan sich selbst Erlebte kann damit gar nicht Schritt halten.Karoline Michaelis , beiläufig gesagt meiues Erachtens die
Ludwig Bamberger's Ges. Schriften. I.