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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
Entstehung
Seite
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gescheiteste Frau der deutschen Litteratur, wirft bei ähn-lichen Betrachtungen einmal die Bemerkung hin, nichts seiso fürchterlich, wie man es sich vorstelle, und wahrscheinlichwürde sich das auch als richtig bewähren für den Fall,daß man einmal plötzlich von Mörderhänden angefallen ausdem Schlaf auffahren sollte. Wer einmal vorübergehend ingroßer Gefahr geschwebt hat, wird das bestätigen. Nichtsist so schlimm, nichts aber auch so schön, wie man sichsvorstellt. Hier denke ich an das Wort Bismarcks an Arnim:Sie werden nicht ruhe«, bis Sie hier sam Schreibtischdes Reichskanzlers) sitzen und sehen, daß es auch Nischt ist."Jetzt, wo er nicht mehr dran sitzt, stellt er sichs auch schonwieder schöner vor. Die Vorstellung aber ist das Mäch-tige. Sie ist der Geist, und der Geist ist das Herrschende.I^'tiorQiris a, lzsau isirs, 8g, vis sst. tvutk spirit^rislls,sagt der Materialist Proudhon . Das eigene Empfinden istimmer nur aus einer Reihe neben- und nacheinander wirken-der Eindrücke zusammeugesetzt. Einzig und allein der vor-stellende Gedanke faßt alles zugleich in einen kulminierendenMoment zusammen. Darauf beruht alles, was dem Men-schen das Leben lebenswert macht, Liebe, Kunst, Ehre,Ruhm bis zu den kleinsten Freuden der Geselligkeit herab.Erwachsene und Kinder werden von Rührung über ihreigenes Weh oft erst ergriffen, wenn sie von anderen be-mitleidet werden. Ich behaupte, wie gesagt, selbst die Reizeder Tafel entspringen auf diesem Grunde. Es ist uicht dieUnterhaltung allein, die als Würze des Mahls dient; dennweder der König von Frankreich , der, von seinem Hof um-geben, allein, noch die Mönche, die im Refektoriumessend sich vorlesen lassen, haben trotz der Unterhaltung diehöheren Tafelfreuden. Die Mitredenden müssen die Mit-essenden sein, damit jeder Gast den Wohlgeschmack des Ge-nossenen in der höchsten Potenz dadurch gewinne, daß er