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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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sei es nun Weib, Kunstwerk, Vaterland oder ein anderesIdeal. Einzig und allein die Idee istvoll und ganz",um ein viel mißbrauchtes Wort anzuwenden; alles sich nur insich selbst Verzehrende ist Stückwerk. Auch die Verirrungenwurzeln zuletzt in dieser Bewandtnis. Ist es nicht richtig,daß selbst der, bewußterweise, falsche Schein mit seiner Machtüber die Phantasie des schwachen Sterblichen ganze Ge-biete des gesellschaftlichen Daseins beherrscht? Wie vieleziehen das Glücklichscheinen dem Glücklichsein vor, oder garhalten es dafür? In der ^ouvslls Lslolsk, wenn ichnicht irre, ist der Gegenstand schön behandelt und belegtmit einem sinnigen Posm, welches beginnt mit den Worten:Wenn jedem sein trauriges Innere auf dem Gesicht zu lesenwäre, ZK a, e1a,serui in viso Zcrltto si IsZAssss l'intsrrioatls-llno, und schließt:Ihr uns andern glücklich Scheinenist ihr ganzes Glück", 11 xarsr' ->, nol isllvl k loro iuttg.Isllelts,.*) Ich kannte vor Zeiten eine Familie von reichenEmporkömmlingen, eine der snobbischsten im Ursprungs-lande der Snobs, die sich für ihr neues Wappen denSpruch wählte: Usss <zua,m vicksri, lieber sein als scheinen.Da hatte der Schein sich selbst übertroffen, er verleugnetesich, um zu höheren Ehren zu kommen.

Noch ein Exempel aus der schlechten Praxis des ge-meinen ^Lebens für das Bedürfnis der Spiegelung imanderen Gehirn möchte ich anführen. Ich halte die Pro-zedur des Überraschens im ganzen für ein grausames Spielder eigennützigen Phantasie. Der Überraschende geht vonder Selbsttäuschung aus, daß er dem Überraschten eine

Die Verse sind von Metastasio und lauten wörtlich:

8s s oisseun I'intsrvo aMirno Li vsäria eds i lor »sinioi

8i Isß^SWs in tronts soritto Haiino io. ssno, s si riäv.es

Huemti mai, ekk inviäia tanno Nsl' pkrers a noi islieiLi tgreobsro xistä? Ossni lor tslioM.