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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
Entstehung
Seite
40
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Sie diese Wochenschrift in die Welt gesetzt haben, warumich Ihnen darin mit Vergnügen zur Hand gehe, und warumich endlich mich nach etlichem Sträuben sogar von Ihnenbereden lasse, es sei meine Schuldigkeit, an diesem Tagevor unserem Publikum zu erscheinen.

Als Sie vor beinahe einem Jahrzehnt den Entschlußfaßten, dies Blatt ins Leben zu rufen, dachte mancher vonuns, es würde eine Stimme in der Wüste werden. Doches kam anders! Nach etwas mühevollen Anfängen ist esimmer mehr geworden, was es werden sollte: der Resonanz-boden, der uns Kunde giebt, daß vieler Orten an Bergen,Flüssen und in Städten jemand wohnt, der mit uns über-einstimmt und dessen Lebensfreude und Lebensmut im Aus-tausch der Stimmen gehoben wird, so daß ein gut Stück-chen Garten erblüht ist. Das Belehren zwar ist schwer,und wer nicht Mephistos Rat befolgen will, sich aufs Ver-wirren zu legen, muß mit Geduld sich rüsten. Bald, nachwenigen Jahren, hatten wir die Hauptsache erreicht: wirwaren eine Gemeinde. Und immer mehr hat sie sich aus-gebreitet. Immer mehr klingt es wieder, klingt es zurück,bald aus der Nähe, bald aus der Ferne, wie in der offenenPresse, so in verschlossenen Zuschriften. Diese Zuschrifteninsbesondere sind von Wert. Sie brauchen sich garnichtzu entschuldigen, lieber Leser, und vor allem nicht Sie, ver-ehrte Leserin, daß Sie Ihren Gefühlen, besonders den zu-stimmenden, Luft machen in einem Privatbrief. Die Kinder,sie hören es gerne. Auch ist es so hübsch, wenn mandraußen auf Reisen, zumal im Sommer, darauf angeredetwird. ^o.ok'ic> sono xittors, auch ich gehöre zum Leser-kreis derNation". Die Menschen von einer Meinungzu anderen herüberzubringen gelingt vielleicht noch eher imReden als im Schreiben. Denn im gesprochenen Wort, wennes den rechten Ton trifft, liegt etwas vom elektrischen