Druckschrift 
1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
Entstehung
Seite
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Fluidum, welches, wie der stehende Ausdruck lautet, zündetund fortreißt, obwohl es nicht gerade die weisesten Redensind, die dies vollbringen. Das Geschriebene thut es, mitseltenen Ausnahmen, darin dem Reden nicht gleich. Aberin einer anderen Richtung ist es mächtiger. Es vermagzu sammeln, denn seine Tragweite ist unbegrenzt, es dringtweit hinaus, sucht die vielen, die wenigen und den einzelnenauf, und wenn es regelmäßig wiederkehrt in bestimmter Ge-stalt und gleichartig fortfließendem inneren Zusammenhange,so gelingt ihm mehr und mehr, die Übereinstimmenden zuverbinden, zu wecken, zu befestigen und jedem der Gesammeltenneue Kräfte zur Expansion und Weiterwirkung zu geben.Diesen Erfolg haben wir im Laufe der Jahre durchgesetzt,und dessen dürfen wir uns freuen. Was wir denken understreben, wird lebendig, indem es in Tausenden abgespiegeltzum deutlichen Bewußtsein kommt. Eine Zeit, in welcherdunkle Mächte ihre Fittige über das Leben der Nation aus-breiten, ruft das Begehren nach einem gegenseitigen Er-kennen wach zwischen denen, die wüster Verwirrung ent-gegenzutreten für ihre Pflicht halten. Aus solchem Drangheraus sehen wir den Versuch einzelner Männer von edlerDenkungsart entstehen, durch Bereine und Versammlungeneinen Kern zu bilden für das Zusammenstehen in reinmenschlicher Gesinnung. So sehr man ihnen Erfolg wün-schen möge, er ist auf diesem Wege kaum zu hoffen. Mehrals auf jedem anderen Boden ist nach dem Dichterwort dasNiederträchtige das Mächtige besonders da, wo es gilt, helleHaufen zusammen zu rufen. Die Massenpolitik hat wie dieMassenproduktion ihre Entwicklungskrankheiten durchzu-machen. Wir sehen sie jetzt aller Orten in trüber Gührung.Hier giebt es keine Umkehr. Nur vorwärts zu arbeiten istLeben, und diese Arbeit heißt Klärung. Es geht jetzt einKlagen durch Deutschland . Nichts ist ansteckender, und